11.04.07

Das Leben der Unteren

Doris Knecht | 04/07 | Arbeit & Wirtschaft | Beschwerden | Falter-Kolumne | Schuld und Sühne

Drei Jahre wohnen wir jetzt in dieser Wohnung, sechs Mal hatten die Nachbarn das Wasser in der Decke. Jedesmal, wenn bei uns ein Abfluss gereinigt wird, klingelt es anderntags an unserer Wohnungstür, vor der dann die Nachbarin aus dem vierten Stock steht und sagt, Entschuldigung, sie stört uns ungern, aber es tropft ihr wieder von der Decke, haben wir vielleicht? Ja, wir haben, beziehungsweise nein, wir haben nicht, Fritz Schiller hat, der Installateur mit den Strähnchen. Denn wir greifen hier schon lang kein Rohr mehr an, wenn etwas mit einem Rohr ist, rufen wie die Hausverwaltung an, die schickt den Schiller, der schaut und dann wo stemmen lässt und die viel zu dünnen Rohre richtet, die ein Vormieter, der dafür kein Talent hatte, selbst in Wände und Böden verlegt hatten. Was auch die merkwürdige Terrassierung unserer Wohnung erklärt.
  Nachdem letztes Mal das Küchenabwasser in der Badewanne stand, kam der Schiller und machte mit Druckluft etwas, das dazu führte, dass das Smega, das innen in so einem Abflußrohr pickt, an der frischgestrichenen Decke von dem neuen Badezimmer landete, das wir bekamen, nachdem der Schiller auf der Suche nach einem Leck das alte ungefähr zur Hälfte weggespitzt hatte. Während ich den Dreck von der Decke kratzte, klingelte es an der Wohnungstür, es war die Nachbarin, die sagte, Entschuldigung, sie stört uns ungern, aber ihr tropft das Wasser aus der Decke, haben wir vielleicht. An sich keine Überraschung, bloß es war die Nachbarin aus dem ersten Stock. Schiller kam und schaute, dann brach ein staatlich konzessionierter Einbrecher die wohlgesicherte Wohnung des Keramiksammlers aus dem zweiten Stock auf und siehe da, es war unser Abwasser, das irgendwie die Duschtasse des Keramiksammlers überflutet hatte und so weiter. Alles wurde geflickt. Bald darauf stand die Nachbarin aus dem vierten Stock an der Wohnungstür und sagte, Entschuldigung, sie stört uns ungern, aber ihr tropft die Decke, haben wir vielleicht. Aber wir hatten nicht. Wir hatten gar nichts.
  Ich ging runter zur Nachbarin, sah mir das Deckenwasser an, und sagte: Spülmaschine. Ich kann mittlerweile einen Plan unserer Wohnung an die Decke der Nachbarn zeichnen, wie Ulrich Mühe in seinem Dachboden in „Das Leben der anderen“: Dusche, Küchenabwasch, Badewanne, Spülmaschine. Schiller kam, schaute, sah, dass es unter der Badewanne feucht war, diagnostizierte, dass das neue Silikon drumrum porös sein müsse und sagte, nein, mit der Spülmaschine habe das garantiert nichts zu tun. Wir ließen das Silikon erneuern, und tags darauf fand ich unter der Badewanne ein paar Nudeln aus der Suppe, die wir tags zuvor gegessen hatten. Wie Schiller die Spülmaschine rausschob, sagte er, na klar, den Abfluss habe der Vormieter offenbar mit Tixo in die Mauer gepickt, den müsse man neu machen, dafür müsste man nur etwa die Hälfte der Küche wegreißen. Da reichte es uns, wir riefen die Hausverwaltung an, und sagten, so geht es nicht weiter: Generalsanierung. Die Hausverwaltung, der es auch reichte, sagte: in Ordnung.
  Ich begab mich mit den Kindern für zehn Tage ins Elternhaus, die Küche wurde rausgerissen, der Boden wurde aufgespitzt, Fritz Schiller kam, verlegte ein tadellos dichtes Abflußrohr, der Boden wurde neu gemacht, es wurde ausgemalt, und alles fertig war, stellte einer der Arbeiter fest, dass es ganz hinten unter der Küchenabwasch tüchtig tropft, und nachdem der Lange den Schiller am Telefon bisschen angebrüllt hatte, kam der Schiller, steckte seine Strähnchen in den Kasten unter der Abwasch, sah, wie es direkt neben dem neuen Abflussrohr aus dem Zufluss tüchtig tropfte und sagte: Dass er das richten soll, hat ihm keiner gesagt. Augen auf bei der Berufswahl, sage ich, aber beim Schiller kommt das wohl zu spät.
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» 13.04.07 11:12
chz

Das gibt's nicht, wir sollten eine Petition gegen unfähige Installateure namens Schiller starten! Wir hatten über eineinhalb Jahre in unserem Büro unglaubliche Probleme mit von Schiller frisch gelegten Rohren, die im Nirgendwo unter der Erde versiegten, woraufhin irgendwann die ganze braune Sosse aus unserer Dusche kam, usw. (das würde jetzt zu weit führen).
Und immer wieder Schiller anrufen, Schiller kommt, usw.
Gut dass unser Büro im Erdgeschoß ohne Keller liegt. Ob es in Wien mehr als einen Installateur namens Schiller gibt?

» 18.04.07 17:33
guardian

Die öffentliche Hinrichtung des Deliquenten, eines notorischen Wiederholungstäters, ist damit ja wohl ausreichend vollzogen.

» 18.04.07 17:40
knecht

Mein Installateur heißt natürlich in Wirklichkeit nicht Schiller. Ich verwende in solchen Fällen immer falsche Namen, um öffentliche Hinrichtungen auszuschließen.
Doris Knecht

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