Doris Knecht
| 04/07
| Kurier-Kolumne
| LiLäLa (Liste lässlicher Laster)
Auf meine Kolumnen gegen herumliegenden Hundekot mailte die p.t. Leserschaft nicht nur Zustimmung. Aber fast: das Pro gegen Contra-Lesermail-Match gewann Pro mit 63:8 eher deutlich. Die Leserinnen und Leser mailten allerdings noch mehr: Zahlreiche Wunschlisten die Sauberkeit Wiens betreffen, die sich alle nicht gegen die MA 46 richteten, sondern gegen Unarten der Wiener.
Unangefochtener Platz 1 unter den lesererzürnenden Untugenden: auf den Boden spucken. Während die Organisatoren der Pekinger Sommerspiele 2008 gerade intensiv versuchen, den Chinesen abzugewöhnen, auf den Boden zu schlatzen, wo sie gehen und stehen, scheint das öffentliche Absondern von Speichelflüssigkeit hierzulande ein Revival zu erleben. Frauen und Männer (meistens: Männer) feuern ihre Spucke gegen den Erdmittelpunkt, egal, was zwischen ihnen und diesem gerade liegen mag: Gehwege, U-Bahnsteige, Bim–Stationen, Stiegenhäuser. Die Leserschaft verlangt die sofortige Abkehr von dieser Unsitte; ich schließe mich an: Wenn Sie nicht gerade ein Instekt inhaliert haben, lassen Sie die eklige Spuckerei.
Platz 2: Dass die Wegwerf-Gesellschaft zur Liegenlass-Gesellschaft mutiert. Jeder lässt überall seinen Müll fallen: in der U-Bahn, auf Bänken, im Park, auf der Straße. Die Liegewiese jenes Freibades, das ich seit Jahren besuche, sah letzten Sommer abends jeweils aus wie das Gelände eines dreitägigen Rock-Festivals am Sonntagabend: komplett zugemüllt. Liegt vielleicht auch daran, dass uns die Industrie ständig überall umsonst was (dazu) gibt, was wir nicht bestellt haben: Gratiszeitungen, Gratispräsente, Gratisverpackung. Nicht gewollt, nicht bezahlt, nicht verantwortlich... lassen wirs liegen, ist ja egal.
Ist es aber eben nicht. Und die Liste wird fortgesetzt.
hierzulande ist es u.a. bei allen öffentlichen plätzen schlimm, auf denen man - im wald, am waldrand, am fluss - grillen kann. alles bleibt zurück: chipspackungen aus alu, grossflächig verteilte scherben von glasflaschen (schlimm nicht nur für nackte kinderfüsse, sondern auch für hundepfoten, wodurch sich für kinder und hunde auch mal ein gemeinsames "feindbild" ergibt), ungebratene würste, plasticverpackungen von grillgut, pappteller und -becher, petflaschen etc.pp.. es ist ausgesprochen hässlich und ärgerlich und, und die beseitigung der hinterlassenschaft kostspielig - zu lasten der steuerzahler. ich bin schon fast für flächendeckendes aufstellen von polizeibeamten an solchen orten und für saftige bussen. wieso machen die leute das?