Doris Knecht
| 04/07
| Kurier-Kolumne
| Stadt/Land
Meine Freunde sind noch kaum aus dem Zug gestiegen, da sagen sie schon, dass sie ins Grüne wollen. Wie, ins Grüne? Ihr habt ein Mal im Jahr für einen Tag in Wien zu tun und sucht dann dort das Grüne? Lebt ihr nicht alle Tage im Grünen, in eurem alpinen Westen? Ja, sagen meine Freunde, das tun sie, und zwar aus Überzeugung, und in Wien sei es ja nicht auszuhalten, nichts als Häuser, Straßen und Gestank, keine Aussicht nach nirgends, wirklich furchtbar, sie wollen lieber an die Donau oder so, irgendwohin , wo’s grün ist und besser riecht. Ich sage, also gut, ihr Landeier, packe sie in die U-Bahn und fahre mit ihnen an den Naschmarkt.
Was es hier alles gibt. Was ist denn das? Und das da? Meine Freunde schauen, was der Ziegenkäse kostet (der eine hat daheim Geißen und macht auch Käse), schnüffeln an Kräutln, Gewürzen, Würsten und Fischen und kaufen eine merkwürdige Frucht, die sie mit dem Sackmesser auskratzen: Probier mal, das schmeckt nicht schlecht.
Dann setzen wir uns vor einen kleinen Japaner, dann essen meine Freunde, beide in den 40ern, zum ersten Mal im Leben mit Stäbchen und zum ersten Mal Sushi. Sind überrascht, wie weich das ist: der Fisch, den sie aus dem Bach holen, ist immer hart. Dann finden sie, dass man in so einer Stadt doch viele interessante Möglichkeiten habe, und die Häuser da drüben: sehr schön. Haha; jetzt hab ich euch.
Am Abend gehen meine Freunde Go-Kart fahren und spielen dann mit ihrer Band im Lokal Fluc. Hinter ihnen sieht man durchs Fenster die Züge über den neuen Praterstern fahren, vor sich haben sie, wie sie auf der Bühne stehen, riesig und hell erleuchtet das Riesenrad im Blick. Und die Leute sind nett. Schon schön eigentlich, dieses Wien. Sehr schön sogar, sag’ ich doch.