Doris Knecht
| 04/07
| Kurier-Kolumne
Nur mal so geraten: Der Amokläufer von Virginia wird vermutlich ein Einzelgänger und Waffennarr gewesen sein, der gerne Killerspiele am Computer spielte, sich verfolgt fühlte und merkwürdige Tagebücher verfasste. Die Täterprofile solcher Fälle ähneln sich gern; wobei die Sache mit dem PC-Spielen, ich weiß schon, auf etwa 90 Prozent der männlichen Jugendlichen in Amerika und anderswo zutrifft und mehr als 99 Prozent von denen laufen nicht Amok.
Im Österreich 100 Prozent, was unter anderem daran liegt, dass bei uns die meisten jungen Leute keinen privaten Zugang zu Waffen haben, und zum Glück will das kaum jemand ändern. Der US-Präsident dagegen versicherte das amerikanische Volk schon seiner ersten Reaktion auf den Amoklauf, dass das übrigens kein Grund sein, es zu entwaffnen, keine Angst. Jedem sein Schießgewehr, das sei schon richtig so; 32 Tote hin oder her.
In der Schweiz aber wird die Entwaffnungsdebatte jetzt richtig laut. Etwa 300.000 Militärwaffen plus Munition werden dort zuhause aufbewahrt. Eine Petition der Zeitschrift Annabelle und eine Studie der Universität Lausanne, die Ende 2006 zu dem Ergebnis kam, dass in der Schweiz fast 300 Menschen jährlich durch Militärwaffen sterben, führte zu einer Volksinitiative, die diese Schusswaffen endgültig aus den schweizer Kleiderschränken verbannen will. Zu spät für einen 71jährigen Mann: er wurde vergangene Woche in einem Schweizer Restaurant von einem 26jährigen Amokläufer ermordet, der mit seinem Militär-Sturmgewehr wahllos auf die Gäste feuerte und vier weitere schwer verletzte. Schusswaffenverfügbarkeit erzeugt Mörder und Selbstmörder, verletzt Menschen, macht sie tot. 300 oder 32 oder einer: zu viel, zu viel, zu viel.