15.04.07

Jetzt viel deppenoffener

Doris Knecht | 04/07 | Kunst & Kultur | Kurier-Kolumne

In seinem Blog, den Rainald Goetz täglich für die Webseite der deutschen Vanity Fair verfasst, macht sich der Schriftsteller („Irre“,„Rave“, „Dekonspiratione“) Gedanken  über die Debattenkultur: „Die Regeln des Diskurses fortschrittlicher Kollektive“, schrieb Goetz am Dienstag,  „sollten deppenoffener verfasst sein. Falsche Gedanken, Begriffe und Argumente sollten weniger stark verachtet sein. Blödsinn kann ja widerlegt werden, muss nicht über gebannte Begriffe ausgeschlossen werden.“
Darüber dachte ich nach, als ich jetzt erwog, eine Fortsetzung der Spuckbeschwerde vom Montag zu schreiben, nachdem mich einige Leser auf eine Beobachtung hingewiesen haben, die ich weitgehend teile, nämlich wer spuckt. Aber ich bin mir nicht sicher, ob das österreichische Kollektiv inkl. mir insgesamt so fortschrittlich ist, dass die Artikulation dieser Beobachtung nicht die ganz normale verantwortungsloser Pauschalierung zur Folge hätte, und das Risiko möchte ich, in aller Feigheit, lieber  nicht eingehen. Das Diskutieren macht die Leute - oder die Debatte  – nicht immer gescheiter, so wie Goetz das vorsieht.
Das bringt mich auf die neue Zib 1.  Die Qualität der Information stelle ich nicht in Frage, aber ihre Präsentation wurde zur Kasperliade. Wozu zwei Sprecher? Wenn einer von  ihnen von diesem Supersize-Gameshow-Pult zur, wie heißt das?, Vidi-Wall geht, meint man, es würde gleich am Glücksrad gedreht. Hält man das Seherkollektiv für minderbemittelt, dass man  ihm die Nachrichten so dudeldei – oder in Goetz  ’ Wort: deppenoffen – präsentieren muss? Brauchts diesen  Technikschnickschnack? Und bin ich von gestern, wenn ich es vorzöge, dass mir ordentliche Beiträge von einem Sprecher kühl anmoderiert werden?
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