Doris Knecht
| 04/07
| Arbeit & Wirtschaft
| Beschwerden
| Frauen / Männer
| Kurier-Kolumne
Wenn drei Viertel der Bevölkerung eine Sache nicht wollen: Soll man sich dann dem Wunsch dieser drei Viertel entsprechen ? Oder soll man die drei Viertel von der Sache überzeugen? Soll man versuchen, ihr die Notwendigkeit gesellschaftlichen Wandels zu vermitteln? Ich würde meinen: Kommt auf die Sache an. Aber wenn sie es, wie die Kinderbetreuung, Wert ist: nein, ja, ja.
Warum ist es den Regierungen der letzten 35 Jahre (und die meisten davon waren sozialdemokratisch geprägt) nicht gelungen, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass die Berufstätigkeit der Mütter den Kindern nicht schaden muss, dass ausreichende Betreuungsangebote notwendig sind? Vielleicht, weil man es halbherzig tat, oder weil Kinderbetreuung in der Sozialdemokratie stets beim Frauenministerium resortiert. Und Frauenministerin heißt: geht Männer nix an.
Die Meinung der Männer ist sicher mit ein Grund dafür, dass sich in der Studie der Instituts für Familienforschung 43 Prozent der Frauen gegen die Fremdbetreuung Unter-Dreijähriger aussprachen. So gesehen könnte die SPÖ allmählich zugeben, dass es falsch war, Kinderbetreuung jahrzehntelang zur Frauensache zu machen. Das Studienergebnis ist auf jeden Fall ein Beispiel-Klassiker dafür, was passiert, wenn die Politik wichtige Anliegen zu wenig oder falsch kommuniziert.
Apropos mies kommuniziert: Verstörte JVPler mailen mir, bei dem vorgestern hier erwähnten Jugendabend in Markt Piesting gebe es selbstverständlich nur Antialkoholisches! Auch die Cocktails: total alkfrei!! Liebe JVPler, die Einladung vermittelte exakt das Gegenteil. Aber ich stelle die Sache gerne richtig: Es liegt mir fern, ein gutes Anliegen zu bestrafen, weil es ruinös kommuniziert wurde. Das macht, s.o., eh der Wähler.