Doris Knecht
| 04/07
| Falter-Kolumne
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| Unter Spießern
Es ist ein schöner Anblick, wie der Herr Wiener Intellektuelle die Spitzhacke in die steinige Erde rammt, im Versuch, eine kleine Birke ihrer Heimaterde zu entwurzeln. Er wirkt glücklich. Die Birke steht dem Horwath in seinem Waldviertler Hof im Weg; der Herr Wiener Intellektuelle Schnitzler hat vor seinem Waldviertler Hof eine Birke zuwenig. Die Frau Wiener Intellektuelle steht dabei, gibt komplexe Anweisungen und scheucht die kleineren Kinder aus dem Schwingradius der Spitzhacke, während der größere Intellektuellen-Bub schon mal einen perfekten Seemannsknoten an Horwaths alten 15er-Steyr seilt. Das ist unser Second Life: An Wochenenden schwingen wir gern den Spaten, rupfen Bäume aus und fahren mit dem Traktor. Nur der Lange macht unterdessen lieber Tsatstsiki; ist besser so.
Anderntags weckt uns um viertel nach sechs eins der Kinder, um uns davon in Kenntnis zu setzen, dass wir beim Einschlafen anders lagen. In diesem Durcheinander könne sie nicht weiterschlafen. Ich dann auch nicht mehr; also helfe ich dem Horwath beim Aufräumen des
Burghofs, den er nebenan zu seinem schon fertig renovierten Haus dazugekauft hat, und als ich zwei Steine vom Boden aufhebe, streckt mich ein brutaler Hexenschuss nieder, und ich muss minutenlang in entwürdigender Haltung vor dem Horwath kauern, bevor ich irgendwie wieder hochkomme.
Später fahren wir zu den Schnitzlers, um die Birke zu besuchen und das Schnitzlerhaus auszuspionieren, wie das Landhausbesitzer untereinander gerne tun. Was hat der, was ich nicht habe. Und wo hat der das her, weil das sind immer geheimste Spezialdistributoren, wo der das her hat, versteckt in hinterletzten Einschichten, und die gefunden zu haben, ist für den Landhausbesitzer soviel wie dem Filmschaffenden der Oscar. Kastenfenster, alte Bodenfliesen, ein von rostigem Draht zusammengehaltener Wilhelmsburger-Keramik-Krug, ein Salzstreuer mit Naziemblem, aber den hat der Horwath im Schutt des Burghofs gefunden. Das Schnitzler-Haus, in maximalidyllischer Hügellandschaft gelegen, ist ein Wahnsinn, und die Schnitzlerin führt ein strenges Blick-Regime: Gäste dürfen ausschließlich an jenen genau berechneten Markierungen Platz nehmen, an denen man den schönsten Blick über die sanften, grünen Hügel hat. Es ist nur etwas zugig, was ich noch bereuen werde, aber dem Horwath gut tut; es erhält ihm die Liebe zum eigenen Anwesen in seiner hübschen Kuhle am Kamp. Hier oben zieht es ja immer. Und im Winter: vier Grad kälter; Minimum.
Im Horwath-Haus leg ich mich zur Hexenschussberuhigung ein wenig hin und komm dann nicht mehr hoch. Keine Chance. Ich weiß jetzt, was es heißt, vor Schmerz zu jaulen. Der Lange und die Horwaths wissen es auch; ein Notarzt muss kommen und mich mit Valium kusch spritzen. (Ich wollte Morphium, aber es war ein sehr hartherziger Arzt.) Im Moment hänge ich an einer Infusion und tippe das hier mit dem Zeigefinger der linken Hand. Bedenken Sie das, bevor Sie wegen der Qualität dieser Kolumne herumnölen, Sie.