Doris Knecht
| 04/07
| Beschwerden
| Kurier-Kolumne
Augenblicklich kann ich gar nicht sagen, was mich mehr aufregt: Erstens die Geschichte von den beiden irrtümlich im Frachtraum einer FedEx-Maschine eingesperrten französischen Frachtarbeitern, die nach einem unfreiwilligen Flug nach Wien von den Schwechater Kollegen nicht befreit wurden: Nein, die schlugen die Tür sofort wieder zu und ließen die beiden Franzosen weiter im Frachtraum des Flugzeugs frieren, bis die Polizei sie endlich befreite. Die Namen der beiden Franzosen, Hicham O. und Abdessamad C., lassen vermuten, dass ihre Haut eventuell nicht claudiaschifferweiß war; und ich bin ziemlich sicher, dass die österreichischen Arbeiter auf der Basis einer offiziellen Dienstanweisung taten, was sie taten: Nicht schauen, ob die vermeintlichen Flüchtlinge vielleicht Hilfe nötig haben, ob sie, wie das nach Flügen in Frachträumen relativ häufig der Fall ist, vielleicht unterkühlt oder ausgetrocknet sind, sondern ihnen die Tür vor den Nasen zuzuschlagen und abzuwarten. Aber in einem Land, in dem Flüchlinge per se als Kriminelle gelten, die man, straffällig oder nicht, jugendlich oder erwachsen, ins Gefängnis sperrt und endlos in Schubhaft hält, braucht man sich nicht wundern, wenn Flughafenarbeiter angesichts eines in einem Frachtraum gefangenen Menschen als Primär-Impuls nicht helfen wollen, sondern sich und das Land vor dem Eindringling schützen. Es ist beschämend.
Zweitens die vom KURIER recherchierte Geschichte über die Wiener Wirte, die ungerührt 15jährige Jugendliche mit Billigschnaps abfüllen; rücksichtslos profitgeil. Die gehören rigoros kontrolliert und, wenn nötig, schikaniert bis zum Konzessionsverlust, das ist meine Meinung. Über die Gleichgültigkeit der Eltern dieser Kinder rege ich mich dann ein ander Mal auf.