Doris Knecht
| 04/07
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Unvorsichtigerweise prahlte ich hier im Herbst einmal damit, was für eine brave, klimaschonende Radfahrerin ich doch sei, die sich leider regelmäßig über Autofahrer-Rücksichtslosigkeiten ärgern müsse. Worauf ich korbweise Leserpost erhielt, deren geringster Teil von applaudierenden Umweltschonern verfasst war. Nachdem ich alles gelesen hatte, fühlte ich mich wie ein neuer Mensch: Wie militante Außenseiterin, ja: eine gewaltbereite Minderheit unter Terrorismusverdacht.
Denn Ärger über Autofahrer, las ich, sei ein hochtouriger Motor für Tätlichkeiten gegen das Automobil, und die so viel wie ein Angriff auf Leib und Leben, denn: Das Auto ist ja nicht nur Fortbewegungsmittel – es ist ein Symbol der Bewegungsfreiheit, ja: der Freiheit an sich! Ein Angriff auf diese Freiheit, und sei er auch rein verbaler Natur, muss also als Angriff auf das unser Gesellschaftsprinzip u.s.w! Ketzerei allemal. Über meine Fortbewegungsmodalitäten schwieg ich seither.
Nun aber gestehe ich erneut: Ich fahre Rad! Täglich! Denn ich weiß jetzt einen Minister an meiner offenen Pedalistenflanke: Umweltminister Josef Pröll ordnete kürzlich an, die Presse zu informieren; er wünsche Rad zu fahren. Oho! Aha! Ein Raunen ging durch die Redaktionsstuben, und alle Fotografen eilten sogleich zum Ring, um am Ringradweg dem Minister zu lauern. Und, pardauz!, da kam er angeradelt und pedalte, ohne Pause und ohne einen einzigen Tropfen Transpiration, den ganzen Weg von der Alma Mater bis zur Urania. Und wer wollte, konnte hinter ihm in flammenden Lettern die Worte „Folget mir! Ich will euch Vorbild sein!“ am Horizont erglühen sehen.
Seither pedale auch ich wieder stolz und erhobenen Hauptes durch die schöne Wienerstadt.