Doris Knecht
| 04/07
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Österreich habe, sagte Österreichs Kanzler beim SPÖ-Parteitag „einen Aufholbedarf, was den Anstand betrifft“. Gusenbauer bezog sich auf die Sache mit den Eurofightern und die unschöne Angewohnheit einiger Militärs, Politiker und Berater, die Herkunftsangaben auf Geschenken nicht so genau zu studieren oder sie sich legal zu schwindeln: Denn möglich ist es ja, dass einer wie der Airchief Wolf sich wirklich einzureden vermag, er habe hier eine lautere Herzensentscheidung für eine Fliegertype getroffen und dort ist halt einer, der seiner Frau gern etwas Geld geben will; reiner Zufall, dass der so bussibussi mit dem Fliegertypenkonzern und so weiter.
Anders kann man es sich ja eigentlich nicht erklären, warum die am Ende so leicht zu derwischen sind: Der Wille zur Vertuschung setzt ja ein Vertuschungsbedarfsbewusstsein voraus, das Wissen über das Kriminelle am eigenen Tun. Der Verdacht drängt sich auf, dass diese Leute glauben, sie handelten rechtens oder wenigstens im Rahmen einer im Ertappensfall geduldeten Kavaliersdelikthaftigkeit. Insofern ist des Kanzlers Appell an Moral und Anstandsgefühl überaus notwendig, und es soll sich ihn bitte auch jener Herr hinter den Ohrwascheln notieren, den meine Freundin S. vor ein paar Tagen dabei beobachten musste, wie er in der U-Bahnstation Stephansplatz in eine Ecke urinierte.
Womit wir uns bequem auf Platz 3 der kürzlich hier begonnenen Unarten-Beschwerdeliste hanteln. Platz 1: auf den Boden spucken, Platz 2: überall Müll herumliegen lassen, Platz 3 also: an Hauswände, Parkbäume oder in U-Bahnstationen brunzen. Böse! Denken Sie im Ernstfall an den Kanzler, der mahnt: „Wir wollen nicht, dass hier saure Wiesen oder Sümpfe entstehen.“ Das gilt insbesondere für U-Bahnstationen.