Doris Knecht
| 04/07
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| Schuld und Sühne
Wie ich dann vor meinem Rad stehe, ist es mir doch nicht egal. Weil von meinem Rad, meinem schnittigen, noch fast nagelneuen Rad ist nicht viel übrig. Wenigstens ist es versichert, und immerhin: das Schloss ist noch da; braves Schloss. Und der Rahmen, den ich damit an einem Kellergitter befestigt hatte. Und die Räder, bei denen die Diebstahlsicherung offenbar verfangen hatte. Der absolut diebstahlsicher festgenagelte Sattel: weg. Der diebstahlsichere Lenker: weg. Die Gangschaltung, die Zahnräder, der Lenker: weg, weg, weg. Ein paar gekappte Kabel schwankten traurig im Frühlingswind. Als ich das Wrack später in den Kofferraum lade, fällt es auseinander. Hurra.
Zuerst aber: zur Polizei, Diebstahl anzeigen. Was eine freudvollere Sache ist, als zu erwarten war, nachdem mir eine Freundin kürzlich erzählt hatte, die Anzeige des Diebstahls ihres Rads (bei ihr: das komplette) habe mehr als eine Stunde gedauert. Bei dem netten, fingerfertigen Beamten, an den ich gerate, dauert es nur eine halbe. Schneller geht es nicht, denn dem extrem sperrigen Computerprogramm ist es einerlei, dass ein Fahrraddiebstahl hierzustadt eine Routine ist, die jährlich zehntausend Mal angezeigt wird. Sattelfarbe: äh, schwarz. Material: tja; Leder? Nein, warten Sie, war wohl irgendein Kunststoff. Ok: Kunststoff. Usw. Danach wird der Polizist, sagt er, eine weitere halbe Stunde brauchen, bis der Anzeigendienstweg erledigt ist. Meistens für nichts, denn die Aufklärungsquote ist minimal.
Danach bringe ich die Reste meines Rads zu meinem Händler, der so etwas nicht zum ersten Mal sieht, aber angesichts Gründlichkeit der Demontage trotzdem überrascht wirkt. Hui. Präzisionsarbeit. Am Mittwoch werde ich es komplettiert wiederkriegen. Und ihr Diebe: Denkt nicht mal daran.