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| 05/07
| Kurier-Kolumne
Also. Die Grazer Verkehrsbetriebe hatten eine lustige Idee. Für den Vatertag. Die Grazer Verkehrsbetriebe dachten sich, womit macht man Vätern am meisten Freude, und tadaaa!, laden wir sie doch auf einen Schnaps ein. Weil die Last paternaler Verantwortung hin und wieder tröstlicher Sedierung bedarf, und wenn schon Vatertag, dann Prost.
Jetzt natürlich Riesen-Aufregung, wegen der ganzen komatösen Kindertrinkerei. Miserable Vorbildwirkung und alles. Bloß brauchen wir nicht so zu tun, als würde in Österreich nie was getrunken, oder als wäre der Konsum von Alkohol generell verboten, oder als würden alle Österreicher, um ihre Kinder auf dem Pfad der Tugend zu halten, künftig nie wieder Alkohol trinken.
Tatsächlich ist es aber schon so, dass man sich langsam kaum mehr traut, vor den Kindern ein Glas Wein zu trinken, es könnte den Dreijährigen und die Achtjährige nachhaltig beschädigen, ja: final in den Alkoholismus treiben, wenn sie mitansehen müssen, wie Mutter und Vater ein Bier oder einen Spritzer trinken oder sogar, heiliger Martinus, einen Schnaps. Und das ist jetzt wirklich nur noch hysterisch.
Denn natürlich gehört das Trinken von Alkohol wie das Autofahren wie das Kreditaufnehmen halt einfach zu den Dingen, die Große dürfen, Kleine aber nicht. Es kann also nur darum gehen, den Kindern beizubringen, warum nicht, und wie sie, wenn sie dann dereinst einmal dürfen, mit den Benefizien des Erwachsenseins auch erwachsen umgehen. Wobei die Erwachsenen oft keine große Hilfe sind, stimmt schon, aber dafür kann man jetzt nicht primär die Grazer Verkehrsbetriebe zur Verantwortung ziehen. Auch wenn es bessere Ideen gibt, als die mit dem Schnaps.
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| 05/07
| Kurier-Kolumne
Die EU traut ihren Bürgern also nicht zu, dass sie in der Lage wären, vernünftig mit ihrer Gesundheit umzugehen. Oder: Verantwortungsvoll mit der Gesundheit anderer: Die Maßnahmen gegen das Rauchen sollen jetzt weiter verschärft werden – und sehr viel weitreichender als bisher angedacht.
Allerdings zielen die neuen Pläne des EU-Gesundheits-Parlamentskomitees diesmal zwar auch, aber nicht primär auf die Beschränkung der Freiheiten der Raucher, sondern sie greifen nach der Wurzel des Problems: der Zigarette selber, die von jenen Inhaltsstoffen befreit werden soll, die sie so schmackhaft machen. Und nach ihren Produzenten: die bisher beste und effizienteste Idee im Kampf gegen den Nikotinkonsum.
Denn in der Debatte, die das Rauchen zum Symbol der Freiheit und Selbstverantwortung des Bürgers stilisiert, wird immer wieder gern ausgespart, dass vom Zigarettenkonsum die Tabakindustrie profitiert – und nur die Tabakindustrie. Den Schaden haben die Raucher, die Mitraucher, die Krankenkassen und die Gesamtheit der Gebührenzahler, die für die Folgen blah blah blah, das wissen sowieso längst alle.
Das EU-Komitee denkt den Gedanken jetzt aber radikal weiter und will die Profiteure auch mit den Reparationskosten belasten: Keine Tabaksteuer mehr, sondern „Produzentenverantwortung“, natürlich mit dem Hintergedanken, dass die multinationalen Konzerne ihre Gewinne nicht gefährden werden, die Kosten also auf den Konsumenten abwälzen und das Produkt verteuern werden. Und übers Geldbörsel lassen sich Einstellungen bekanntlich am ehesten ändern.

Boboville - Residenz Verlag
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| 05/07
| Falter-Kolumne
Schön: auch andere Paare streiten. Ritters zum Beispiel haben zur Geburtstagsparty ihrer Tochter geladen, und ich bin nicht wahnsinnig glücklich über die Ansage, die Party finde im Wald statt. Gut ist, dass ich tags zuvor eine engagierte Auseindersetzung mit dem Langen hatte, in deren Verlauf der Lange so deppert wurde, dass ich etwas tat, was meinen Kindern strengstens verboten ist, und Begriffe verwendete, die gleichfalls. Allerdings führt der Zwischenfall überraschenderweise dazu, dass der Lange tags darauf Zucker ist und offenbar bereit, Buße zu tun. Also ruf ich die Ritterin an und sag: Ritterin, der Wald ist was für Väter, Mütter, sag ich, sollten derweil auf Balkonen sitzen und Alkohol missbrauchen. Wofür es übrigens in Amiland einen eigenen Begriff gibt, wie mir eine amerikanische Bekannte kürzlich erläuterte: the Arsenic Hour.
Es sei, sagte diese Delia, die Stunde am späten Nachmittag, in der Mütter, und Delia sprach von All-American-Full-Time-Müttern in All-American-Kleinstädten, ihre Kinder und ihr Leben nur noch im Zustand der Somatisiertheit ertragen
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| 05/07
| Kurier-Kolumne
Na klar ist der Einzelhandel gegen den deutschen Vorschlag einer „Fettsteuer“: Damit sollen künftig Lebensmittel belegt werden, die dafür verantwortlich gemacht werden, dass immer mehr Menschen, sprechen wir’s gelassen aus, fett und fetter werden. Wär’s ein individuelles Problem wär’ s ja keins, aber es ist längst ein gesellschaftliches, das das allgemeine Gesundheitskonto erheblich belastet. Weil halt so viele Krankheiten damit zusammenhängen, wieviel wovon die Leute essen.
So argumentieren natürlich auch die Gegner der Fettsteuer: Liegt ja nicht an den Lebensmitteln an sich, an Schokolade und Chips, liegt an den Leuten, die es bei deren Verzehr über- und bei der Fettverbrennung untertreiben. Und das stimmt natürlich.
Aber es sind ja sowieso alle Einzelmaßnahmen per se sinnlos. Notwendig wäre: Ein gesamtgesellschaftliches Bekenntnis zu einer besser ernährten, gesünderen Bevölkerung. Eine weitreichende von Politik, Handel, Industrie und Medien getragene Initiative, die in absolut alle Bereiche dringen müsste: effizient dringen müsste. Was heißt: von der Kinderkrippe bis ins Altersheim müsste die Dreifaltigkeit Evaluierung, Aufklärung, Veränderung wirksam werden. Ein Ruck müsste durchs Volk gehen.
Weil es zum Beispiel nichts bringt, wenn Kinder im Unterricht lernen, wie man gesund lebt und dann in der Kantine Schnitzi, Cola und Schokoriegel snacken und zuhause vorm Fernseher oder Computer zu Abend essen.
Allerdings: Bei vielen Leuten wohnt das Bewusstsein nun mal im Portemonnaie. So gesehen ist eine Fettsteuer vielleicht eine sinnvolle Maßnahme. Aber eben nur eine unter vielen koordinierten.
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| 05/07
| Kurier-Kolumne
Meine Mutter hat den Muttertag schon vor Jahren abgeschafft: Danke, Kinder, lassen wir das jetzt. Sie braucht sowas nicht, sagt meine Mutter. Sie finde das eher lästig. Ehrlich gesagt habe sie das schon früher ziemlich unnötig gefunden, und als die Phase der selbstgebastelten Muttertagspräsente von vier Kindern endlich vorüber gewesen sei, habe sie das, seid’s mir nicht bös, mit herzlicher Dankbarkeit erfüllt.
Natürlich habe sie sich über jedes aufgestotterte Gedicht, jedes schräg intonierte Lied, jede beschmierte Gipsschale, jeden schiefen Häkeltopflappen, jeden laubgesägten Kleiderbügel so aufrichtig gefreut, wie man es von einer glücklichen Mutter erwarte, keine Frage. Aber jetzt sei sie über gleichmäßig übers Jahr verteilte Zeichen von Liebe, Zuneigung und Respekt wesentlich glücklicher. Etwa in dem wir sie regelmäßig besuchen und anrufen und sie nicht über die Maßen mit Enkelkinder-Beaufsichtigungswünschen belästigen.
Denn meine Mutter ist der Meinung, dass sie sich nach mehr als 25 Jahren Kindervollversorgung inkl. beträchtlicher Aufopferung ein natürliches Recht auf ein wenig Selbstverwirklichung erworben habe, und falls wir ihr dafür unsere Dankbarkeit erweisen wollen, dann bitte, indem wir uns um unsere eigenen Kinder wenn möglich selber kümmern. Also, dass wir das nicht falsch verstünden, sie liebe ihre Enkel, habe sie gern um sich und nichts dagegen, hin- und wieder ein wenig auf einen oder zwei von ihnen aufzupasse, aber nicht auf einer täglichen Basis.
Das alles - besser: auch das alles - finde ich an meiner Mutter so großartig. Und auch zum Dank dafür rufe ich sie am Muttertag nicht an. Aber am Tag davor. Und am Tag danach.
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| 05/07
| Kurier-Kolumne
Alle freuen sich wie dulliö auf die Fußballeuropameisterschaft, nur ich nicht. Na ja, Ursula Stenzel auch nicht. Frau Stenzel fürchtet die Massen, den Lärm und den Dreck, den die Euro 08 in ihre City spülen wird. Und mit was: mit Recht.
Nun erwägt die Innenstadt-Bezirksvorsteherin offenbar ein Pinkelverbot mit entsprechender Beschilderung für die Parks entlang der geplanten Fanmeile am Ring, denn sie sorgt sich um die innerstädtischen Grünräume; um die Rosen im Volks- und die Bäume im Burggarten. Das tut sie auf der Basis schlechter Erfahrungen: Nicht eigener, sondern deutscher, denn bei der letztjährigen Fußball-WM, es beutelt mich schon beim bloßen Hinschreiben, wurde der Berliner Tiergarten, der unglücklicherweise entlang der Fußball-Fanmeile zu liegen gekommen war, täglich mit ca. 200.000 Litern Menschenurin getränkt. Ua.
Das Urinieren an dafür nicht vorgesehen öffentlichen Orten wurde ja erst unlängst in den anschwellenden Unarten-Beschwerdegesang aufgenommen, der hier seit einiger Zeit erklingt, und den wir ab sofort Liste lässlicher Laster, kurz LLL, nennen wollen: Insofern ist ein Verbot öffentlichen Herumbrunzens nur zu begrüßen. Befremdlich daran ist einzig, das es offenbar bislang nicht verboten war.
Was einerseits natürlich als positiver Hinweis auf ein scheinbar einigermaßen selbständig funktionierendes Wiener Verantwortungsbewusstsein gewertet werden kann. Andererseits wundert gerade auch deshalb die allgemeine Vorfreude-Euphorie auf ein Ereignis, bei dem das fröhliche Rudel-Komatrinken mit allen bekannten Folgen der Körperfunktionsbeeinträchtigung und (Verantwortungs-)Bewusstseinstrübung ziemlich im Mittelpunkt steht. Darauf könnte ich persönlich irrsinnig gut verzichten.
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| 05/07
| Kurier-Kolumne
Nach Koch-und Deko-Dokusoaps sehen die Deutschen jetzt gerne Auswanderer-Geschichten. Was die Prophezeiung zulässt, dass auch bei uns bald Auswandererdokus wie „Mein neues Leben“ laufen werden, in denen Menschen versuchen, Ausland Fuß zu fassen. Weil das Geschäft nicht läuft oder gar keine Arbeit zu finden ist, suchen sie mit ihren Familien ihr Glück an einem anderen, besseren Ort.
Da kann man sehen, wie die Exilanten, ist ja normal, mit Bürokratie, Sprach- und Anpassungsproblemen zu kämpfen haben und versuchen, ihr neues Leben zu meistern, was nicht immer leicht ist. Aber nie wird in Frage gestellt, dass jeder seines Glückes Schmied sein kann, dass jeder die Freiheit hat, selbst zu wählen, wo und wie man sein Glück finden und maximieren will.
Und keine Idee davon, dass diese deutschen Familien - und bei den österreichischen wird es nicht anders sein-, wenn sie sich über die Jahre assimiliert, Existenzen aufgebaut, Steuern gezahlt, in Gemeinschaften, Arbeitsstellen, und Schulen integriert haben, plötzlich aus der selbstgewählten, hart erarbeiteten Heimat vertrieben werden könnten.
Was Glück-Suchern, die es in Österreich gefunden, sich hier neue Existenzen aufgebaut, Steuern gezahlt, Kinder geboren, sich assimiliert, integriert und eine neue Heimat gefunden haben, jederzeit passieren kann. Sie werden auseinandergerissen, abgeschoben, aus der Heimat verjagt. Im Namen des Gesetzes.
Immer mehr echte Österreicher sagen: Nicht in meinem Namen. Diesen Namen kann man jetzt unter eine Petition setzen, die die Grünen für ein faires, menschenwürdiges Bleiberecht initiert haben: www.dahamisdaham.at.
Mögen es viele werden.
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| 05/07
| Falter-Kolumne
Es ist ein bisschen wie damals beim Tätowieren: Die Frage war nicht, ob ja oder nein, sondern wo und was. Der Schurl hatte es satt, das Pecken immer nur auf toter Sauhaut zu üben, er war bereit für lebende Menschen und ich war zufällig grad in der Nähe. Dabei hab ich mit meinem Oberarm noch Glück gehabt, jetzt mal im Vergleich mit dem Oberarm vom Mike oder dem Unterarm eines Wiener Flex-Chefs. Bei mir hatte der Schurl das mit den verschiedenen Hautschichten schon besser heraussen, nur die Linienführung, naja, aber ich trag ja jetzt eh meistens Ärmel.
Daran erinnert mich jetzt das Gendermainstreaming meiner Tochter. Die Frage ist nicht mehr, wann der Zipfel nun endlich wächst oder warum buhuhu nicht, sondern wie und wann einer drangemacht wird. Meine völlig daherfantasierten Drastizismen, da müsse was aus dem Schenkel geschnitten und dann woanders anoperiert
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| 05/07
| Kurier-Kolumne
Natürlich wundert es überhaupt nicht, dass, wie eine Umfrage des ÖAMTC ergab, jeder fünfte österreichische Autobesitzer seinem Kraftfahrzeug einen Namen gibt. Da uns die große Kennzeichen-Reform vor bald 20 Jahren die europaweit weiterhin eher unüblichen Wunschkennzeichen beschert hat, werden wir beim Autofahren ja eh permanent öffentlich über die Art der Beziehung der Österreicher zu ihren PKWs informiert: S-CHATZ8, FK-YOU2, W-ASTI1, W-ILLIG7.
Der französische Essayist Michel de Montaigne schreibt in seinem Aufsatz „Über die Macht der Phantasie“: „Wahrscheinlich entspringt die Tatsache, dass man den Wundern, Gesichten, Zaubereien und dergleichen außergewöhnlichen Erscheinungen Glauben schenkt, hauptsächlich der Macht der Phantasie, vor allem auf die knetbaren Seelen des einfachen Volkes einwirkt: Dessen Leichtgläubigkeit hat man sich derart zunutze gemacht, dass es, was es nicht sieht, zu sehen meint.“ Also etwa, dass ein Auto eine Seele hat und deshalb einen Namen braucht, wovon de Montaigne allerdings 1572 noch nichts ahnen konnte.
Aber ein Auto ist vielen eben nicht nur ein Transportmittel, sondern ein Familienmitglied: Das würde erkären, warum laut ÖAMTC nur 20 Prozent der Autobesitzer ihr Auto verleihen wollen. Weil ihnen ihr Auto mehr ist, als eine ersetzliche Dose auf Rädern.
Mir ist es, wie der Polizist bestätigen wird, der kürzlich routinemäßig mein Warndreieck sehen wollte, ein Mittelding aus Kellerabteil und Mistkübel. Unter all den Gummistiefeln, Flaschen, Kinderrädern, Regenjacken, Matten, Schlafsäcken, Büchern, CDs und Springseilen blieb das Dreieck unauffindbar. Es war aber ein netter Polizist. Mein Auto heißt übrigens Auto.
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| 05/07
| Kurier-Kolumne
Was ich im Kino definitiv nicht mehr sehen möchte (und eigentlich noch nie sehen wollte): Wie Männer Lebensmittel von nackigen Frauen schlecken, schlürfen, schlabbern. Finde ich eher ekelhaft. Mit Essen spielt man nicht, da halt ich’s mit den Ahnen. Oder besser: mit dem fertigen Essen. Davor, bei der Zubereitung, zum Zwecke der Optimierung des Menüs: gut. Aber wenn das Essen fertig ist, dann gehört es auf einen Teller und einen Tisch, nicht auf eine Frau, und deswegen will ich diesen neuen deutschen Film „Eden“ schon in die Tonne treten, ohne ihn je gesehen zu haben. Obwohl Charlotte Roche die Hauptrolle spielt, oder besser: weil. Denn die frühere MTV-Moderatorin war unter den Fernsehgesichtern immer eins mit spürbar arbeitendem Hirn dahinter, was ja alles andere selbstverständlich ist. Und jetzt lässt die sich in einem Film irgendein Dessert vom nackigen Leib lecken... grusel: Zuviel Kult ums Essen.
Eh sind Essen und seine Zubereitung ein Thema: Und sollen es auch bleiben, weil die Fastfood-Industrie dringend ein Contra braucht. Weil der Umstand, dass viele Menschen nicht mehr essen, sondern sich nur noch dalli verpflegen, letztlich daran Schuld ist, dass die Fetten fetter und mehr werden. Weil immer mehr Kinder immer seltener von Tisch und Tellern essen, und immer öfter aus Karton-verpackungen.
Womit vielleicht auch das Jugend-Kampftrink-Problem zusammenhängt: Viele Jugendliche haben halt nie gelernt, wie viel wovon gut für sie ist, beim Essen und beim Trinken. Neue Ausweise für Jugendliche und ihre strenge Kontrolle können Heranwachsende schützen, aber sie können sie nichts über ihre Grenzen lehren. Das müssen andere viel früher tun: die Eltern. Wenn möglich bei Tisch.
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| 05/07
| Kurier-Kolumne
Wenn jetzt noch ein paar Tausend unterschreiben, ist bald die Quote von „Mitten im Achten“ erreicht. Na, Witz, aber: Immerhin 1038 Unterschriften hat die „Petition ohne Namen“ im Moment beieinander, ganz ohne mediales Getrommel.
Die
Petition fordert, die Schlaumeier ahnen es bereits, die Wiederaufnahme der „Sendung ohne Namen“. Die wurde nämlich soeben nach ihrer 114. Folge abgeschafft: Nicht wegen Erfolglosigkeit, nicht wegen mieser Quoten, nicht wegen Abgenutztheit oder weil sie umstritten war, sondern aus dem offenbar einzigen Grund, dass die Sendung nicht mehr ins neue ORF–Sendeschema passe.
Das ist schon möglich, aber natürlich eine interessante Begründung für die Absetzung einer Sendung, deren Grundprinzip sozusagen auf ihrer Contraschematik basiert: Die „Sendung ohne Namen“ war immer auch die Sendung, die in kein Schema passt. Was genau ihren anarchischen Charme ausmachte, ihren Witz, ihr Überraschungsmoment: Dass in den 25 Sendungsminuten alles passieren konnte. Und meistens passierte ziemlich viel ziemlich schnell, was für gewöhnlich das Gegenteil eines Garants dafür ist, dass das was geschieht, auch was Gescheites ist. Bei der „Sendung ohne Namen“ war es das aber praktisch immer.
Dafür gab es 2003 eine Romy, dafür wurde die Sendung beim New York TV-Film-Festival und in Luzern für eine Goldene Rose nominiert. Und das wollten am späten Abend immer noch bis zu 140.000 Menschen sehen. Was in etwa der M.I.A.-Quote am prominenten Vorabend entspricht.
Jetzt wollen schon 1165 Unterschreiber die „Sendung ohne Namen“ zurückhaben. Und falls das neue ORF-Schema nicht dazu passt: Das stört die nicht.
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| 05/07
| Falter-Kolumne
Also lieg ich am Sofa auf meinem kleinen alte-Damen-Thermophor, Stufe 2, manchmal Stufe 3, lese Zeitschriften und sehe fern, weil ich nach den tollen Büchern der Damen Marisha Pessl und A. M. Homes ums Verrecken nicht in die „Dorfpunks“ von Rocko Schamoni reinfinde, so schnuckinger der Herr sonst auch sein mag. Ich sehe, was so kommt. Egal, was kommt. Ist nicht viel Erhebendes dabei, außer „Ellen“, „Dr. House“ und, darüber muss ich mich sehr wundern, „Vier Frauen und ein Todesfall“. Das ist lustig, entschieden lustiger als früher, ich lache mindestens sieben Mal, ein Spitzenschnitt für eine österreichische TV-Produktion, wofür, wie ich dann recherchiere, offenkundig Rupert Henning zur Verantwortung zu ziehen ist, bzw. seine Coautorenschaft. Das erklärt alles.
Nach vier Tagen strengem Liegen, zwei Infusionen und ein paar feinen Pillen, die mir die gute Mutter Urban aus ihrer Arztpraxis vorbeigebracht hat, erlaubt mir mein Hexenschuss
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| 05/07
| Kurier-Kolumne
Peter Parker entdeckt nun also seine dunkle Seite: Gestern lief in Österreich der dritte Teil von „Spider-Man“ an, und das ist mir völlig egal. Moment, falsch: relativ egal. Denn eben wollte ich behaupten, dass ich nicht zu den Leuten gehöre, die dazu beitragen, dass die Produktionskosten des teuersten Films aller Zeiten wieder hereinkommen, und das wäre gelogen. Meine Kinder sorgen dafür, dass ich brav mitzahle, denn vom Puzzle bis zur Badehose werden Spider-Man-Devotionalien zum Geburtstag und als Reisemitbringsel bestellt oder müssen anderen Kindern zum Geburtstag geschenkt werden: Ich bin Teil der Maschine, auch wenn ich den Film frühestens im TV sehen werde
Interessant fand ich in diesem Zusammenhang die Geschichte von dem netten Bankräuber, den die Polizei vorgestern erwischt hat: Ein sympathischer 25-jähriger Mann mit unbeflecktem Leumund und aus, wie die Polizei sagt, „hochanständigem Haus“. Auch der scheint vor einiger Zeit seine dunkle Seite entdeckt zu haben, worauf er begann, mit einer Spielzeugpistole Banken zu überfallen. Dalibor S. sei, so die Polizei , „ein Getriebener“ gewesen, und ähnlich wie bei Peter Parker ahnten Familie und schwangere Frau offenbar nichts vom Nebenleben des Waschmaschinenmechanikers.
Anders als Parker wurde S. allerdings nicht von einem Spinnenbiss zu seinem Doppelleben getrieben, sondern von purer Geldnot. Der verschuldete Spieler wurde Vater, er brauchte ein Auto, er konnte es nicht bezahlen. Der Gebrauchtwagen wurde jetzt doppelt beschlagnahmt: Erstens vom Händler, weil er nicht fertig bezahlt war, zweitens von der Polizei weil er mutmaßlich mit der Beute finanziert wurde. Für „Spider-Man“ gibt es vermutlich ein Happy End. Für Dalibor S. leider vorläufig nicht.
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| 05/07
| Kurier-Kolumne
Marketingtechnisch wäre es vielleicht keine schlechte Idee gewesen, sich beim Namen auf etwas Einfaches, Unzungenbrecherisches zu einigen. So wie: Sacher-Torte. Oder Mozart–Kugel; etwas das auch japanische Kindergärtler und Rednecks from Texas problemlos memorieren und artikulieren können. A Sacher-Torte, please. And twelve Mozart-Kugels.
Die werden sich in St. Pölten schwerer tun, wenn sie „das neue süße Wahrzeichen“ ordern, als das die dort frisch kreierte Nuss-Mandel-Schoko-Birnenmarmelade-Torte angepriesen wird: A Original-St.Pölten-Prandtauer-Torte, please. Und selbst, wenn man das „Ortginal“ weglässt... es bleibt ein Kampfausdruck. Was dem Erfolg der Süßspeise abträglich sein könnte – und so dem Versuch, den Reisenden das schöne St. Pölten mit Kuchen zu versüssen, das in der der Touristen-Gunst halt, Landeshauptstadt hin oder her, hinter dem idyllischen Wein–Krems liegt.
Das Schicksal der Linksliegengelassenheit teilt St. Pölten mit Nicaragua, wenngleich nicht aus den selben Gründen. Gleichwohl hatte man in Nicaragua eine ähnliche Idee wie in St. Pölten, aber während die Niederösterreicher die Menschen nur an deren Zuckerseite packen, greifen die Nicaraguaner auch zu viel härteren Mitteln: Neben Guaven-, Orangen- und Limonensaft, Zuckersirup, Eis und einer grünen Kirsche soll das neue nicaraguanische Nationalgetränk vor allem weißen Rum enthalten. Der im Rahmen eines Wettbewerbs kreierte Drink heißt (St. Pöltner, aufgepasst) kurz, prägnant und memorabel El Macua. Erfunden wurde er, so ein Jury-Mitglied, weil Nicaragua eine „neue Identität“ brauche, „die nichts mit Revolution zu tun hat“. Das Problem hat St. Pölten allerdings nicht.

Never get lost in Barcelona