Doris Knecht
| 05/07
| Beschwerden
| Kinder und andere Mitbewohner
| Kurier-Kolumne
| Prost Mahlzeit
Was ich im Kino definitiv nicht mehr sehen möchte (und eigentlich noch nie sehen wollte): Wie Männer Lebensmittel von nackigen Frauen schlecken, schlürfen, schlabbern. Finde ich eher ekelhaft. Mit Essen spielt man nicht, da halt ich’s mit den Ahnen. Oder besser: mit dem fertigen Essen. Davor, bei der Zubereitung, zum Zwecke der Optimierung des Menüs: gut. Aber wenn das Essen fertig ist, dann gehört es auf einen Teller und einen Tisch, nicht auf eine Frau, und deswegen will ich diesen neuen deutschen Film „Eden“ schon in die Tonne treten, ohne ihn je gesehen zu haben. Obwohl Charlotte Roche die Hauptrolle spielt, oder besser: weil. Denn die frühere MTV-Moderatorin war unter den Fernsehgesichtern immer eins mit spürbar arbeitendem Hirn dahinter, was ja alles andere selbstverständlich ist. Und jetzt lässt die sich in einem Film irgendein Dessert vom nackigen Leib lecken... grusel: Zuviel Kult ums Essen.
Eh sind Essen und seine Zubereitung ein Thema: Und sollen es auch bleiben, weil die Fastfood-Industrie dringend ein Contra braucht. Weil der Umstand, dass viele Menschen nicht mehr essen, sondern sich nur noch dalli verpflegen, letztlich daran Schuld ist, dass die Fetten fetter und mehr werden. Weil immer mehr Kinder immer seltener von Tisch und Tellern essen, und immer öfter aus Karton-verpackungen.
Womit vielleicht auch das Jugend-Kampftrink-Problem zusammenhängt: Viele Jugendliche haben halt nie gelernt, wie viel wovon gut für sie ist, beim Essen und beim Trinken. Neue Ausweise für Jugendliche und ihre strenge Kontrolle können Heranwachsende schützen, aber sie können sie nichts über ihre Grenzen lehren. Das müssen andere viel früher tun: die Eltern. Wenn möglich bei Tisch.