Doris Knecht
| 05/07
| Kunst & Kultur
| Kurier-Kolumne
| Unter Spießern
Natürlich wundert es überhaupt nicht, dass, wie eine Umfrage des ÖAMTC ergab, jeder fünfte österreichische Autobesitzer seinem Kraftfahrzeug einen Namen gibt. Da uns die große Kennzeichen-Reform vor bald 20 Jahren die europaweit weiterhin eher unüblichen Wunschkennzeichen beschert hat, werden wir beim Autofahren ja eh permanent öffentlich über die Art der Beziehung der Österreicher zu ihren PKWs informiert: S-CHATZ8, FK-YOU2, W-ASTI1, W-ILLIG7.
Der französische Essayist Michel de Montaigne schreibt in seinem Aufsatz „Über die Macht der Phantasie“: „Wahrscheinlich entspringt die Tatsache, dass man den Wundern, Gesichten, Zaubereien und dergleichen außergewöhnlichen Erscheinungen Glauben schenkt, hauptsächlich der Macht der Phantasie, vor allem auf die knetbaren Seelen des einfachen Volkes einwirkt: Dessen Leichtgläubigkeit hat man sich derart zunutze gemacht, dass es, was es nicht sieht, zu sehen meint.“ Also etwa, dass ein Auto eine Seele hat und deshalb einen Namen braucht, wovon de Montaigne allerdings 1572 noch nichts ahnen konnte.
Aber ein Auto ist vielen eben nicht nur ein Transportmittel, sondern ein Familienmitglied: Das würde erkären, warum laut ÖAMTC nur 20 Prozent der Autobesitzer ihr Auto verleihen wollen. Weil ihnen ihr Auto mehr ist, als eine ersetzliche Dose auf Rädern.
Mir ist es, wie der Polizist bestätigen wird, der kürzlich routinemäßig mein Warndreieck sehen wollte, ein Mittelding aus Kellerabteil und Mistkübel. Unter all den Gummistiefeln, Flaschen, Kinderrädern, Regenjacken, Matten, Schlafsäcken, Büchern, CDs und Springseilen blieb das Dreieck unauffindbar. Es war aber ein netter Polizist. Mein Auto heißt übrigens Auto.