3.05.07

Doppelleben

Doris Knecht | 05/07 | Kurier-Kolumne | Schuld und Sühne | Unter Spießern

Peter Parker entdeckt nun also seine dunkle Seite: Gestern lief in Österreich der dritte Teil von „Spider-Man“ an, und das ist mir völlig egal. Moment, falsch: relativ egal. Denn eben wollte ich behaupten, dass ich nicht zu den Leuten gehöre, die dazu beitragen, dass die Produktionskosten des teuersten Films aller Zeiten wieder hereinkommen, und das wäre gelogen. Meine Kinder sorgen dafür, dass ich  brav mitzahle, denn vom Puzzle    bis zur Badehose werden  Spider-Man-Devotionalien zum Geburtstag und als Reisemitbringsel bestellt oder müssen anderen Kindern zum Geburtstag geschenkt werden: Ich bin Teil der Maschine, auch wenn ich den Film frühestens im TV sehen werde
Interessant fand ich in diesem Zusammenhang die Geschichte von dem netten Bankräuber, den die Polizei vorgestern erwischt hat: Ein sympathischer 25-jähriger Mann mit unbeflecktem Leumund und aus, wie die Polizei sagt, „hochanständigem Haus“. Auch der scheint vor einiger Zeit seine dunkle Seite entdeckt zu haben, worauf er begann, mit einer Spielzeugpistole Banken zu überfallen. Dalibor S. sei, so die Polizei , „ein Getriebener“ gewesen, und ähnlich wie bei Peter Parker ahnten  Familie und schwangere Frau offenbar nichts vom Nebenleben des Waschmaschinenmechanikers.
Anders als Parker wurde S. allerdings nicht von einem Spinnenbiss zu seinem Doppelleben getrieben, sondern von purer Geldnot. Der verschuldete Spieler wurde Vater, er brauchte ein Auto, er konnte es nicht bezahlen. Der Gebrauchtwagen wurde jetzt doppelt beschlagnahmt: Erstens vom Händler, weil er nicht fertig bezahlt war, zweitens von der Polizei weil er mutmaßlich mit der Beute finanziert wurde. Für „Spider-Man“ gibt es vermutlich ein Happy End. Für Dalibor S. leider  vorläufig nicht.
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