Doris Knecht
| 05/07
| Kurier-Kolumne
Die EU traut ihren Bürgern also nicht zu, dass sie in der Lage wären, vernünftig mit ihrer Gesundheit umzugehen. Oder: Verantwortungsvoll mit der Gesundheit anderer: Die Maßnahmen gegen das Rauchen sollen jetzt weiter verschärft werden – und sehr viel weitreichender als bisher angedacht.
Allerdings zielen die neuen Pläne des EU-Gesundheits-Parlamentskomitees diesmal zwar auch, aber nicht primär auf die Beschränkung der Freiheiten der Raucher, sondern sie greifen nach der Wurzel des Problems: der Zigarette selber, die von jenen Inhaltsstoffen befreit werden soll, die sie so schmackhaft machen. Und nach ihren Produzenten: die bisher beste und effizienteste Idee im Kampf gegen den Nikotinkonsum.
Denn in der Debatte, die das Rauchen zum Symbol der Freiheit und Selbstverantwortung des Bürgers stilisiert, wird immer wieder gern ausgespart, dass vom Zigarettenkonsum die Tabakindustrie profitiert – und nur die Tabakindustrie. Den Schaden haben die Raucher, die Mitraucher, die Krankenkassen und die Gesamtheit der Gebührenzahler, die für die Folgen blah blah blah, das wissen sowieso längst alle.
Das EU-Komitee denkt den Gedanken jetzt aber radikal weiter und will die Profiteure auch mit den Reparationskosten belasten: Keine Tabaksteuer mehr, sondern „Produzentenverantwortung“, natürlich mit dem Hintergedanken, dass die multinationalen Konzerne ihre Gewinne nicht gefährden werden, die Kosten also auf den Konsumenten abwälzen und das Produkt verteuern werden. Und übers Geldbörsel lassen sich Einstellungen bekanntlich am ehesten ändern.