Doris Knecht
| 06/07
| Falter-Kolumne
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| Schuld und Sühne
| Unter Spießern
Weil Hauen, Prügeln und Liebesentzug nicht funktioniert haben, wurde jetzt ein Belohnungssystem eingeführt und es gibt Sternchen fürs Zimmeraufräumen und Sternchen für Probieren exotischer Gemüse wie Karfiol und Sternchen fürs Schieferziehen (wobei ich glaube, sie jagen sich die Dinger jetzt selber rein; das Schieferaufkommen stieg in den letzten Wochen eklatant) und Sternchen dafür, dass sie bei Autofahrten nicht mehr fragen, wie weit es jetzt noch ist. Wie wir jetzt aus Kroatien heimgefahren sind, gab es davon acht pro Kind, was es zu einer weisen, weitsichtigen Idee machte, dass ich die Belohnung, die es für zehn Sternchen gibt, schon lange besorgt hatte. Ich gute, vorausschauende Mutter, ich.
Wie wir daheim ankommen, ist die Belohnung nicht auffindbar, nicht im Dachboden, wo ich sie hundertprozentig versteckt habe, nicht in meiner Unterhosenlade und nicht auf einem der oberen Regalbretter, was unsere Heimkehr zu einer wenig idyllischen Angelegenheit macht. Ganz abgesehen davon, dass es in Wien kein Meer gibt und keinen Strand und nicht mehr drei Mal täglich Schleckeis, und dass der kleine Horwath und der kleine Breuss nicht bei uns wohnen, wodurch sich die Lebensqualität der Mimis ja sowieso schlagartig minimierte. Und obwohl die Mimis, nachdem sie mit Süssigkeiten und morgen-ein-Film-Versprechungen sediert wurden, mittlerweile schlafen, hirne ich noch immer darüber nach, wo diese verdammte Belohnung hingekommen ist. Das war so ein flaches
Sackerl, Langer, sage ich, ungefähr so groß, weil es sich selbstverständlich anbietet, den Langen zu verdächtigen, das Sackerl irgendwo verlegt zu haben. Hat nicht der Lange kürzlich den Dachboden aufgeräumt? Hat er. Eben. Aber der Lange kann sich natürlich an kein flaches Sackerl erinnern, und wenn er könnte, würde er es (was vermutlich der Fall ist) abstreiten, er ist ja nicht blöd.
Anderseits gab es an Geschenken in diesen Tagen keinen Mangel. Während des Kroatien-Urlaubs, den wir mit den Horwaths und den Breusses und Teilen der Urbans verbrachten, hatte erst der Lange Geburtstag, dann der kleine Horwath, dann unsere Kinder, und es gab, wie bestellt, Bionicles, Kleidchen und, auch auf ausdrücklichen Wunsch des Bubenmädchens, Puppen mit harten Bäuchen. Am Vorabend des Geburtstags beschließt der weise Elternrat allerdings, das Bubenmädchen vor Schmach und Schande zu bewahren und die Puppen lieber im engsten Familienkreis zu bescheren: Denn das Bubenmädchen wird von den anderen Buben als Bub akzeptiert, bis es mit einer Mädchensache erwischt wird, dann wird es nach Bubenart verhöhnt, verspottet, verlacht und fertiggemacht.
So geschieht es, und offiziell werden dann dem einen Kind das Röckchen und das Kleidchen, dem anderen zwei extraschiarche Lego-Bionicles überreicht, die es seither Tag und Nacht in ihren Dosen mit sich trägt und wie leibliche Brüder liebt. Darf ich vorstellen: Thulox und Inika Toa Hahli Knecht. Die Puppe kam heimlich aber auch gut an.
Soll man das "Hauen, Prügeln und Liebesentzug" jetzt eigentlich als schräg-ironische Selbstkritik sehen, oder muss man das wörtlich nehmen? Vielleicht bin ich naiv, aber die Antwort auf diese Frage wäre ein interessantes Schlaglicht auf das vor kurzem Gepostete über Mutterträne und Kinderwut...