Doris Knecht
| 06/07
| Kurier-Kolumne
Bevor ich selbst ins Freibad rausche eine kleine Freibad-Geschichte, die mir gestern von Gabriela S. zugetragen wurde. Gabriela S. hat dieser Tag wie praktisch alle anderen Wienbewohner den Wunsch, ihren Körper in einem Becken mit kühlem Wasser zu versenken, und ihr Wunsch ist sogar noch ein bisschen stärker, denn sie ist ungemein schwanger. Also, vollkommen hochschwanger; und falls Sie das auch einmal waren, wissen Sie, was Hochschwangerheit bedeutet: Man ist so grazil und gelenkig wie ein Flusspferd, weshalb man die physikalischen Eigenschaften von Luft sehr gerne mal gegen jene von H2O tauscht, denn im H2O fühlt man sich vorübergehend gefühlte zwei Tonnen leichter und… Ich denke, Sie haben’s kapiert.
So geht es Gabriela S. gerade, und deshalb begab sie sich früh ins Schönbrunner Bad, bezahlte ohne zu murren 9 Euro für eine Tageskarte, schwebte wie schwerelos durchs Becken, war glücklich und stellte um die Mittagszeit herum fest, dass es im Schönbrunner Bad kaum Schatten gibt. Worauf sie es vorübergehend verließ.
Als sie mit ihrer Tageskarte in die Schwerelosigkeit zurückkehren wollte, wurde ihr von der Dame an der Kasse beschieden, dass nur Jogger das Bad zwischendurch verlassen dürfen, was Frau S. Zustand allerdings ausschloss. Die Kassen-Dame hatte kein Erbarmen; Frau S. folglich die Wahl, erneut Eintritt zu zahlen oder heim zu fahren, und sie fuhr wütend heim. Unter anderem, weil sie, wie alle Schwangeren, über eine erbsengroße Blase verfügt, die dringend erleichtert werden wollte, wofür vor dem Schönbrunner Bad kein Verständnis zu erwarten war. Gabriela S. jedenfalls schwebt künftig lieber anderswo.