Doris Knecht
| 06/07
| Kurier-Kolumne
Lassen Sie uns das einmal veranschaulichen: 0,9 Prozent, das ist von 100 Kilo Kartoffeln ein knappes Kilo. Von 100 Kilo Biokartoffeln darf also ein fast ein ganzes Kilo gentechnisch versaut sein, um trotzdem als bio zu gelten.
Der bisherige Höchstwert: 0,1 Prozent. Jetzt hat Österreich den Grenzwert für die unbeabsichtigte Gentech-Verunreinigung von Bioprodukten auf Vereinheitlichungsdruck der EU verneunfacht. Das sei aber, wie der zuständige Mann im Gesundheitsministerium meint, „keine Abkehr von unserer Haltung, aber mit zu strengen Regeln wird sich kein Produzent mehr finden, der das Risiko für Bioproduktion auf sich nimmt“.
Sicher. Und mit zu laschen Regeln wird sich bald kein Konsument mehr finden, der die höheren Preise für bio in Kauf nimmt. Was letztlich wohl das Ziel der ganzen Aktion sein dürfte: Endlich mit dem um sich greifenden Bio-Blödsinn aufzuräumen, die Konsumenten wieder auf den von Agrar- und Nahrungsmittelkonzernen vorgesehenen Kurs zu bringen: Wir sagen dir schon, was du essen willst, und ein bisserl Gentechnik hat noch keinem geschadet. Also wird dafür gesorgt, dass bio irgendwann nur mehr am Preis von nicht bio zu unterscheiden ist, auf dass der Konsument endlich begreife, dass das eh nichts für ihn und billig besser ist.
Und auch die lästigen Länder werden so vielleicht allmählich kapieren, wie dumm es ist, stur auf der Anti-Gentechnik-Haltung zu beharren. Nicht wahr, Österreich, wir lernen das schon noch. Es wird sich dann schon einer finden, der den Leuten erklärt, dass das aber keineswegs eine Abkehr von der bisherigen Haltung ist. Ehrlich nicht!