Doris Knecht
| 06/07
| Kurier-Kolumne
Spinnts ihr! Schauts mal auf die Uhr! Jetzt gibt es keine Auskunft! Ruft gefälligst zu den üblichen Büroöffnungszeiten an!“ Tut tut tut. Es ist Dienstag, 11.15 Uhr, und das ist der Anrufbeantworter der Arena, der so mit mir spricht: Dabei hätte ich nur gerne gewusst, wieviele Leute das waren, die am Montag abend das Arena-Open-Air-Gelände krachvoll gemacht hatten. Tja.
Ich weiß also nur: es waren viele, geschätzte 2000, die sich an den jungen australischen Neo-Hardrockern Wolfmother begeisterten. Noch mehr, genau 3400, waren gekommen, um die US-Underground-Kracher The White Stripes im ausverkauften Gasometer spielen zu sehen. Und es waren noch viel mehr, fast 13.000, vor denen gleichzeitig in der Wiener Stadthalle der aktuelle King of Pop, Justin Timberlake, auftrat.
Das hätte es früher nicht gegeben. Früher hätte die Nachfrage nicht mal für zwei derart zielgruppenaffine Konzerte gereicht, geschweige denn für drei. Beziehungsweise wären viele dieser Bands früher, als Wien noch westeuropäischer Endbahnhof war, erst gar nicht gekommen. Jetzt brummt die Stadt.
Wie ich vor 21 Jahren nach Wien kam, war Wien Oper, Theater und Psychoanalyse, eine betagte, fade Tante. Viel Grau, Braun und Beige an den Menschen auf der Straße. Ein ziemlich strenges Seniorenregiment in den Öffis. Hochgeklappte Gehsteige Schlag Sonnenuntergang. Eine betäubend niedrige Lautstärketoleranz. Und ein überaus überschaubares gastronomisches und popkulturelles Angebot für die Wiener Adoleszenz.
Immerhin: Die Arena gab es schon, an deren reizender Ruppigkeit sich, wie ich nun weiß, seit damals nicht viel geändert hat. An den WCs übrigens auch nicht.