6.06.07

Jetzt einmal langsam

Doris Knecht | 06/07 | Kurier-Kolumne

Erinnert ein bisschen an die Sorgen, die Österreich mit Temelin hatte und hat, nur umgekehrt: Seit Jahren schäumt die Raab vom Burgenland nach Ungarn, seit Jahren protestiert man in Ungarn dagegen, seit Jahren auch weiß man dort wie hier ziemlich genau, wer den Schaum verursacht. Seit Jahren wird nichts bis fast nichts unternommen. Letzte Woche rief eine ungarische Umweltschutzorganisation zum Boykott österreichischer Produkte auf. Was man auf dieser Grenzseite  kaum ignoriert.
Halt: von Ende Mai liegt eine Stellungnahme des, wie das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt  und Wasserwirtschaft sich lieblich nennt, Lebensministeriums vor. Da wird in überaus gelassenem Tonfall eingestanden, dass, ja, eine Studie der TU Wien „die Rolle der Lederindustrie“  an drei Standorten bei der Schaumbildung „bestätigt“ und eingeräumt, dass es bei einigen „Paramentern vereinzelt zu Grenzüberschreitungen“ kam, was aber, wenn ich den Text richtig verstehe, weder Handlungsbedarf noch Sanktionen nach sich zieht.
Angenommen, Sie überschreiten mal vereinzelt  ein paar Grenzwerte – etwa bei Park- oder Geschwindigkeitsparametern: Da wird eher hurtig sanktioniert. Nix entspanntes Abwarten und penibles Begutachten und Untersuchen, ob alles wirklich so schlimm ist, ob wirklich Sie Schuld sind an dem Debakel, und, wenn ja, das Debakel tatsächlich derart ernstzunehmenswert.
Aber: Das Lebensministerium  hat  wichtigeres zu tun! Es muss bitteschön eine gan!ze! Na!ti!on! für  Klimawandel und CO2-Ausstoß senisbilisieren! Man muss also schon Prioritäten setzen. Auch wenn die Ungarn schäumen.
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