14.06.07

Jetzt räum doch mal das Auto auf

Doris Knecht | 06/07 | Falter-Kolumne | Frauen / Männer | Kinder und andere Mitbewohner | Kunst & Kultur

Ich könnte natürlich endlich das Auto aufräumen und seinen Inhalt protokollieren, was nur klingt, als wäre es eine leicht verdientes Kolumnengeld: In Wirklichkeit wäre es brutale Arbeit. Soll der Lange machen; das Auto ist ja eh sein Revier, und ich vermute – unter anderem, weil er das Auto unbedingt selber aufräumen WILL, dass er irgendwo zwischen dem Gerümpel im Kofferraum säckeweise Dinge versteckt, die er von Rechts wegen entsorgt haben müsste. CDs vor allem, weil ich ihm ein Limit gesetzt habe: Diese ganze Regalwand sei dein, aber mehr nicht; alles was diese Wand, die bei Gott riesig ist, überlappt, verlässt rapido die Wohnung. Tut es natürlich nicht; der Lange versteckt Sackerl voller CDs unterm Bett, hinterm Sofa, in seinem Kleiderschrank und in der Garderobe hinter den Wintermänteln. Und im Auto, wo er glaubt, dass ich sie unter all den Rollern, Kinderrädern, Schlafsäcken, Gummistiefeln, Fischernetzen, Bällen, Regenjacken, Pixi-Büchern, verschneutzten Taschentüchern, steifen Geschirrtüchern, Sitzerhöhungen, vergessenen Kindermützen, Kinderpullis, Turnschuhen, Sonnenbrillen, Gaffertaperollen, Strohmatten, Badehosen, Wolldecken, aus dem Wald eingeschleppten Stöcken, Verbandsmaterial, alten Stadtplänen, zerfledderten Landkarten, Kaugummipapierl, Fahrradpumpen, Blasebälgen, Springseilen, Hulahoopreifen, Bob-der-Meister-Heftln, Princess-Dings-Hefltn, feuchten Keksen, leeren Saftkartons, verstreutem Werkzeug, halbleeren Petflaschen und Nylonsäcken mit diesem und jenem eh nicht entdecke. Stimmt. Allerdings trau ich mich wetten, dass sich da drunter irgendwo Säcke voller CDs verstecken. Aber wehe ein Paar Stiefeletten hat nicht mehr im Schuhschrank Platz, da heißt es gleich. Darüber könnte ich auch schreiben.
  Ich könnte meine ersten erfolgreichen ebay-Ersteigerungsaktion vermelden: absolute Milimeterarbeit, Adrenalinschwupp; ich weiß nicht, ob das gut für mein Herz ist. Ich könnte berichten, wie das eine Kind schon wieder in eine absolut enervierende Babyphase zurückfällt, und wie das andere eine Diebe-Räuber-Einbrecherbesessenheit entwickelt hat, die mir auch nicht mehr wurscht ist. Ich könnte beschreiben, wie mein aktuelles inneres Ringen, ob ich dann nachher mit den Kindern ins Bad fahren (anstrengend) oder mich nur mit Mutter Breuß auf dem Spielplatz treffen soll (nicht so anstrengend), zu Gunsten des – Überraschung! – Spielplatzes ausgeht, worauf ich nicht stolz bin: ich bin eine böse, selbstsüchtige Ego-Mutter; die ihren Kindern dann aus schlechtem Gewissen ein Eis kauft, was ihre Zähne ruinieren wird und ihre allgemeinen Ernährungsgepflogenheiten. Alles nur, weil ich zu faul bin, das Auto auszuräumen, um Platz für das zum Baden benötigte Sommergerümpel zu machen: Badesachen, Luftmatratzen, halb aufgeblasene Schwimmtiere, Styroporstangen, Flossen, Taucherbrillen, Schwimmbrillen, Flipflops, Sonnencreme. Das macht dann der Lange.
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