1.06.07

Privat ist politisch

Doris Knecht | 06/07 | Kurier-Kolumne

Mitte der Siebziger Jahre erfüllten sich meine Eltern ihren Traum und bauten für sich und ihre Kinder ein Haus. Mit den eigenen Händen und denen von Freunden. Sie mussten ihr Auto verkaufen, extrem sparsam leben, und anfangs wohnten wir mindermöbliert  auf dem rohen Estrich. Aber im eigenen Haus.
Freunde schenkten uns ausgemusterte Möbel und borgten uns ihre Autos, unter anderem damit meine Eltern ein paar Jahre später, das muss um 1979 gewesen sein, in die Schweiz zu Ikea fahren konnten, wo sie dann ihren ersten Wohnzimmerschrank erwarben: einen Mini-Wand-Verbau, Kiefer furniert. Sie stellten ihn in die Stube, füllten ihn aber nicht mit Gläsern und Fotoalben. Sondern taten, was sie aufgrund ihrer Gesinnung und angesichts ihres eigenen Glückes für richtig hielten: Sie richteten darin einen winzigen, privaten  Weltladen ein und verkauften fortan uneigennützig EZA-Kaffee aus Nicaragua und Guatemala, Tee aus dem damaligen Tanzania, Honig aus  Mexiko  und  Jutetaschen aus Indien. An Leute aus der Umgebung, die bei uns klingelten, weil sie den fairen Handel von Produkten und gerechte Arbeitsbedingungen für die Produzenten wollten.
Irgendwann wurde das Geklingel so viel, dass sich im Dorf ein Verein gründete, der schließlich einen richtigen EZA-Laden eröffnete, der mittlerweile Weltladen heißt. Wie die 91 anderen Weltläden in Österreich, die dieser Tage ihr 25-Jahr-Jubiläum feiern: Gratulation, Applaus. Denn die Welt mag von fairem Handel   noch immer Lichtjahre entfernt sein: die Weltläden sind es nicht.
Ach ja, den Kiefernfurnierschrank gibt es  auch noch. Jetzt stehen Gläser und Fotoalben  darin.

 

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