Doris Knecht
| 06/07
| Kurier-Kolumne
Weil ich schon wieder meine Telefonrechnung nicht aufgemacht habe, habe ich schon wieder den Zettel nicht gesehen, mit dem ich das Telefonbuch abbestellen kann, habe ihn wieder nicht ausgefüllt und wieder nicht abgeschickt.
Also klingelt es letzte Woche an meiner Tür, und ein Herr überreicht mir 3,5 Kilo Papier, die ich so wenig brauche wie die 3,5 Kilo Papier, die ich schon habe, und nun besitze ich einen Sieben-Kilo-Klotz eng bedrucktes und völlig unnützes Papier: wie abertausende andere Wiener auch. Jetzt werden also mein und abertausende weitere Papiercontainer mit Millionen Kilo Telefonbuch extra belastet, tausende 48er riskieren ein Rückenleiden oder verschlimmern die Rückenprobleme, die sie eh schon haben beim Entsorgen von Telefonbüchern, die niemand mehr braucht, weil sich alle, die eine Telefonnummer brauchen, längst im Internet informieren.
„Stimmt nicht!“, ruft der Kollege T., „ich brauch das Telefonbuch! Ich hab nämlich keinen Computer!“ Was insofern erstaunt, als der Kollege T. ein junger, mit den Raffinessen moderner Massenmedien wohlvertrauter Kollege ist, aber offenbar pflegt er auch auch einen Hang zu nostalgischen Such-Modi. Aber „Blödsinn!“ sagt auch mein Freund, der Horwath: Seine Mutter z. B. brauche das Telefonbuch notwendigst, sagt der Horwath, so wie die meisten anderen älteren Wienerinnen und Wiener so wie alle Leute auf dem Land. Weil der Horwath sagt, die schauen immer nur ins Telefonbuch und niemals ins Internet.
Na gut. Ich nehme zur Kenntnis, dass andere Leute das Telefonbuch brauchen, und ich halt nicht. Und es ist voll und ganz meine Schuld, wenn ich’s trotzdem kriege.