13.06.07

Werbefuzzis geheime Fantasien

Doris Knecht | 06/07 | Kurier-Kolumne | LiLäLa (Liste lässlicher Laster)

Das Wetter eignet sich vortrefflich zur Vertiefung der Deo-Problematik. Auch: zu ihrer behutsamen Korrektur. Denn nachdem ich letzte Woche mangelnde Deodisziplin in die Liste Lässlicher Laster aufnahm, rügten mich mehrere Leser, und zwar zu Recht. Es sei „ein Irrtum“, schreibt Erwin M, „die Achselhöhlen einfach mit einem Deo zuzuschmieren und zu glauben, damit hat sich die Sache erledigt“. Dem ist nicht zu widersprechen; wenngleich mich zarte Verzweiflung beschleicht, da  offenbar der Hinweis notwendig ist: Man muss natürlich vorher duschen, Damen und Herren! Und, wie Herr M. anregt, auch Wäsche und Oberbekleidung regelmäßig reinigen! Er schließt mit einem Einwand, den  auch Julius B. vorbringt: Der fühlt sich vom ständigen öffentlichen Duftterror weitaus mehr belästigt als von etwas Schweißgeruch. Und man müsse sich  schon auch fragen, woraus diese Düfte bestünden und ob sie schädlich sind.
Ich korrigiere den Eintrag in die LiLäLa also wie folgt: An heißen Tagen wie diesen  wird die erwachsene Bevölkerung gebeten, täglich zu duschen, frische Wäsche zu tragen und Deos zu benützen, aber lieber solche, die nicht  mit Bumm Tschicka Wah Wah auf die Umgebung losgehen, wie das ein Werbespot gerade verspricht. (Es verrät einem übrigens Faszinierendes über die geheimen Fantasien von Werbemenschen, dass alle paar Monate ein neuer Spot  behauptet, das beworbene Produkt bringe Frauen dazu, sich die Kleider vom Leib zu reißen. Nach einem Handy-Tarif und einem Schokoriegel soll das nun ein Deo bewirken.) Das verwenden Sie  wenn möglich nicht. Verwenden Sie  leise, höfliche Deos aus menschen- und umweltverträglichen Zutaten. Das macht alle froh.
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