Doris Knecht
| 06/07
| Kurier-Kolumne
Was ist das für einer, der auf ein Kind schießt? Was geht in dem vor? Wie kommt einer an den Punkt, an dem er sich eine Schusswaffe greift, sich an ein offenes Fenster stellt, auf den Kopf eines Achtjährigen zielt und abdrückt? Wie verroht man derart? Was hat einer erlebt, der seine Wut auf ein lästiges Kind nicht mehr anders kanalisieren kann als durch einen Gewehrlauf? Wie wenig durfte einer als Kind Kind sein, um Spielplatz-Geräusche als derart unerträglich zu empfinden, dass er bereit ist, ein Kind umzubringen, um endlich Ruhe zu haben? Und wie sehr hat man sich der eigenen Kindheit entfremdet, um dem Kind, das man selber mal war, das Ballspielen am Spielplatz gerichtlich untersagen zu lassen, wie 2003 ein kinderloses Linzer Ehepaar? Und wie ist es möglich, dass unsere Gesellschaft das zulässt?
Eine Stadt ist kein Schlaflabor, ein Wohnbau kein Trappistenkloster, das Leben kein Friedhof. Wenn wir anfangen, den Rabatz, der zum Kindsein gehört, nicht mehr zu tolerieren oder zu kriminalisieren oder uns an selektive Selbstjustiz gegenüber Kindern, wie im Hueberhof, einfach zu gewöhnen, dann gute Nacht, Gesellschaft.
Ja, das nervt, wenn so ein Schreihals endlos nach seiner Mama plärrt, das knattert, wenn Kinder auf Dreirädern und Rollern herumkurven, das knallt, wenn Bälle durch Käfige und Höfe geschossen werden. Wir könnten uns natürlich entschließen, diesen Lärm zu vermeiden, indem wir Kindern das Spielen im Freien künftig verbieten und sie inhäusig vor dem Fernseher, im Internet und bei Computerspielen groß werden lassen. Wo sie still und störungsfrei zu asozialen Arschlöchern heranwachsen, die irgendwann selbst auf Kinder schießen… Bitte lieber tüchtig Bahöö.