Doris Knecht
| 06/07
| Falter-Kolumne
| Frauen / Männer
| Freunde
| Kinder und andere Mitbewohner
| Prost Mahlzeit
| Schuld und Sühne
| Unter Spießern
Kommt mir auch schon wieder ewig her vor, dass ich von unserem Strand zur lokalen Konoba geschwommen bin, um einen Tisch zu reservieren: aus dem Wasser krabbeln, Bauch einziehen, über die Terrasse tropfen – 13 Personen, bitte – zurücktropfen, heimschwimmen. Kam gut an bei der restlichen Urlaubsgesellschaft. Brachte Boah-Punke. Es war aber überhaupt.... also, das beste an diesem Urlaub war: Alle Freunde, mit denen ich ihn machte, waren es hinterher immer noch. Das ist bitteschön nicht selbstverständlich und ein schönes Signal dafür, dass meine selbstgebastelten Demissbilligungs- und Ärgermanagementstrategien allmählich greifen.
Immerhin kann man in so einem Urlaub auch andere Aggressionsbewältigungsmethodiken studieren, zum Beispiel am Horwath. Die ganze Woche lacht und scherzt der Horwath. Witzelt es klein, wenn er schon wieder den ganzen Planschbedarf allein vom Strand ins Haus geschleppt hat. Tut es mit einem Grinsen ab, wenn der Lange oder der Breuss schon wieder den ganzen Tag in dem einzigen Gartenklappsessel im Schatten kleben, den der Horwath aus einem Sperrgutcontainer rettete und extra für sich mit nach Kroatien nahm. Scherzt nur darüber, dass er schon zum dritten Mal an diesem Morgen die Espressokanne gefüllt und auf den Herd gestellt, aber selber noch keinen einzigen Kaffee erwischt hat. Zuckt völlig aus, als wir ihn an einem Mittag mit gefühlten 46 Grad im Schatten vorsichtig fragen, ob es schon der richtige Tag
sei, um fürs Mittagessen gebröselte Fleischstücke in schwimmendem Fett herauszubraten, zumal in knapp fünf Stunden ein Tisch für 13 Personen in einem Lokal reserviert ist, dessen Name übersetzt etwa „Zum hungrigen Carnivoren“ bedeutet. Da geht der Horwath ab wie ein wütendes Wespennest; das sei ihm echt komplett scheißegal, was wir davon halten, er macht jetzt seine scheißverdammten Scheißschnitzel, also Schnauze, Scheißenocheinmal, dann stampft der Horwath davon, knallt mit der Autotür, gibt Gummi, rast Fleisch besorgen, und kampfbrutzelt danach mit rotem Schädel für gut zwanzig Scheißpersonen Wiener Schnitzel, die wir ohne Murren bis zum letzten Brösel aufessen, nicht nur, weil der Horwath tadellose Schnitzerl macht, sondern weil keiner den Zorn des Horwath auf sich ziehen will. Also, nicht noch mehr davon.
Aber den Zorn haben die Horwaths offenbar im Genpool. Die können nichts dafür. Der Kleine hat das auch. Die Kinder fahren eines Abends mit den Radln die Strandstraße entlang, Richtung Eismann und Bar Neptun. Kommen sie sich ein bissl in die Quere, und den kleinen Horwath stellts auf, worauf er, bevor er auch nur seine Verletzungen inspiziert, mit Geheul versucht, sein 200-Euro-BMW-Kinderrad über die Mole zu werfen. Denn das Rad war böse und muss bestraft werden, wenn möglich, final. Für alle anderen, schuldig oder nicht, gilt bei Horwatschen Zornungen: Meter machen. Ich schwimm schon mal einen Tisch reservieren.