Doris Knecht
| 06/07
| Kurier-Kolumne
Eben bin ich die Ottakringer Straße entlang gefahren, und dort gibt’s jetzt ein Lokal namens bellydance outlet. Ha-ha-Heiterkeit. Hält nur nicht lange: die Ottakringer Straße verkommt rasant. Ich hab dort ein paar Jahre lang gewohnt, und jedes Mal wenn ich jetzt hin komme, entdecke ich neue Lücken: Der Billa hat zugesperrt. Der Libro hat zugesperrt. Die Computerfiliale vom Cosmos steht leer. Sogar der Moneypoint, der einzog, wo zuvor eine Bank-Austria-Filiale zusperrte, hat zugesperrt. Wo die Post war ist jetzt ein Swingerclub. Wo früher eine Elektrohandel war, ist jetzt ein Wettlokal. Wo früher ein Friseur war, ist jetzt noch ein Grill-Restaurant, neben all den Grillrestaurants und Kebab-Distribu-toren, die es eh schon gibt. Und da wo jetzt das bellydance outlet ist, war früher, soweit ich mich erinnere, ein Installateurbetrieb.
In den Achtzigern und Neunzigern war viel von Stadtentwicklung die Rede, und damit war u. a. auch gemeint, dass eine Kommune aktiv dafür sorgt, dass in einer Stadt keine Gettos entstehen. Aber falls die Gemeinde Wien jetzt ausruft, was im Hintergrund alles gemacht und geplant würde, muss ich nach zehn Jahren Ottakringerstraßenverfallbeobachtung einwenden: An der Benutzeroberfläche ist davon nichts zu spüren. Die Ottakringer wird immer mehr ein Balkan-Türkengetto.
Tun Sie mir jetzt aber nicht unterstellen, ich wolle in Ottakring und Hernals keine Ausländer haben: keineswegs. Es wäre für die Gegend aber wichtig, dass auch andere dort wohnen und hinziehen wollen: weil es keinem Stadtteil gut tut, wenn es keine Mischung mehr gibt, wenn alles fest in einer Hand ist. Das gilt übrigens vollinhaltlich auch für den Kohlmarkt.