Doris Knecht
| 07/07
| Kurier-Kolumne
Vier der schon 100.000 Wiener, die täglich mit dem Rad fahren, saßen vorgestern in einem Gastgarten am Donaukanal und gerieten in Streit. Nein, nicht Streit, aber es wurde hart diskutiert: Über das Radfahren auf dem Gehsteig, ein Problem, dessen kritische Betrachtung schon viele Leser eingefordert haben, allein, ich war mir nicht ganz sicher. Weil einen abrupt endene Radstreifen oft buchstäblich auf den Gehsteig treiben. Aber auch hier half die Auseinandersetzung, und jetzt weiß ich es: Ich bin dagegen.
Meine Freunde X und Y finden, die Verkehrsituation in Wien zwinge sie praktisch dazu, hin und wieder auf dem Gehsteig zu radeln: Immer noch gebe es viele Straßen ohne Radstreifen, und es sei teilweise lebensgefährlich, sich als einzelner Radfahrer unter die Autos mischen zu müssen. Stimmt. Woraus X und Y ein natürliches Recht ableiten, sich auf dem Gehsteig unter die Fußgänger zu mischen. Die müssen halt auch ein bisschen aufpassen.
Entschiedener Einspruch von Z: Aber nix müssen die aufpassen! Nicht auf einem Gehsteig! Dort, sagt die Erziehungsberechtigte Z, sollen sich Fußgänger ungefährdet bewegen dürfen, und es muss ihnen erlaubt sein, innerhalb des Gehwegs auch mal unkontrolliert auszuscheren, ohne dabei Gefahr zu laufen, von einem Radler gerammt zu werden. Kinder zum Beispiel. Und was soll das überhaupt, dass die Radfahrer ihren Zorn über die Privilegien der Stärkeren an die Schwächeren weitergeben! Macht nicht die Fußgänger, sondern den Bürgermeister dafür verantwortlich, dass er die angeblichen 1000 Kilometer Wiener Radwege nicht so zusammenstückelt, dass ihr darauf sinnvoll und schnell zur Arbeit und sonstwohin radeln könnt! Und was soll ich sagen: Recht hat sie.
sehr recht hat sie! es ist mir nicht nur einmal passiert fast von unseren "ach-ich-bin-so-umweltbewusst- weil- fahrrad-fahrend" mitbürgern über den haufen geführt zu werden. es ist sagenhaft, wie sehr sich die menschheit das recht nimmt, kaum eine gute tat bestritten, zur nächsten schlechten zu schreiten ohne schlechtes gewissen zu haben. obwohl sich die gute tat spätestens dann aufhebt, wenn die umwelt durch zusätzliche auspuffgase des verstärkten notarztwageneinsatzes belastet wird.