Nein, da stimme ich dem Norbert eigentlich gar nicht zu. Nach allem, was ich von meinen eigenen Kindern (sind schon ein bissl älter) und denen anderer Leute um mich herum weiß, ist das ganz normal, dass sie sowas machen, und ich fand auch den Vergleich zwischen der "amöbenhaften" Wut von kleineren Kindern und dem mitunter schon ganz schön beachtlichen Kränkungspotenzial von Fünfjährigen sehr realistisch beschrieben.
Niederdreschen nach den Rezepten der "alten Pädagogik" wollen wir das heutzutage nicht mehr, eh klar. Aber deswegen muss man wirklich nicht gleich nach dem Therapeuten rufen. Die (meist männlichen) „Experten“ für Kindererziehung haben im Lauf der Geschichte weiß Gott genug gefährlichen Unfug verzapft und viel Kinderleid verursacht. Auch wenn das heute anders ist - eine liebende Mutter ist die beste Expertin für ihre Kinder und weiß im Regelfall genug, um selbst klarzukommen.
Auch wenn es oft schwer ist - weil gute und vernünftige Kindererziehung heutzutage ein stetes Schwimmen gegen den von den Interessen der Unternehmen getriebenen Mainstream ist - leider weit mehr als nur Fernsehen, auch Supermarkt-Quengelware, Computerspiele, "modische" Mädchenbekleidung, die Kinderkörper sexualisiert, Markenwahn, und vieles andere mehr.
Ist mir aber mit allen Nachteilen allemal lieber als die "einfachen Regeln" der alten Pädagogik, ums vorsichtshalber gleich dazuzusagen. Keinesfalls will ich sagen, dass die Familien früher irgendwie "heiler" gewesen sind, waren sie nämlich nicht, im Gegenteil. Nur: früher haben Eltern im Prinzip hingehaut, wenn was nicht passte, da musste man nicht viel nachdenken; heute müssen wir halt ständig nachdenken - und manchmal auch ein bisschen weinen. Das gehört einfach dazu - und das Schöne ist, mit Kindern kann das auch gut sein. Wenn die sehen, dass sie ihre große, starke, busenschwingende Mama so fertig machen können, dass sie ganz traurig wird, dann haben sie nämlich Mitleid, weil sie ihre Mama lieben - und lernen so was ganz Wichtiges dazu, dass sie nämlich wem wehtun können und deshalb aufpassen müssen, wie sie ihre Emotionen rauslassen - und das ist dann ein wichtiger Lernschritt. Den die Burschen vom Flex oder vom Falter wahrscheinlich in der Form nicht mehr machen werden.
Liebe Grüße
VR
Naja, hier gibt es eben Meinungsunterschiede zwischen mir und VR. Vor allem: Was ist denn so SCHLIMM an dem Gedanken einer Therapie? Ich bin zwar männlich, aber sicher kein "Experte für Kindererziehung", thank you very much. Ich meine nur: Wo Leiden ist, da kann und soll auch Hilfe sein. Und es ist ein Unterschied zwischen den alltäglichen "Normalreibereien" und dem, was Doris Knecht da beschreibt. Finde ich jedenfalls. Mir klingt das nach einer wirklich schmerzhaften und überfordernden Situation. Und in einer solchen Situation dann daherzukommen und zu sagen: "Das ist eh normal, und Weinen gehört dazu" (sei's nun beim Kind oder bei der Mutter), nein, das finde ich nicht adäquat und nicht richtig.
Nochmals: Psychotherapie ist nichts Schlimmes, keine ultima ratio, wenn gar nichts anderes mehr geht, sondern ein viel zu wenig genütztes Hilfsangebot, das erstaunliche Dinge vollbringen kann -- vorausgesetzt, man traut sich. Was leider im Österreich des Jahres 2007 selbst bei anscheinend liberal denkenden und aufgeklärten Menschen überhaupt keine Selbstverständlichkeit ist. Leider.
Und noch etwas: Dieser ständige Kampf gegen den "Mainstream" kann auch übertrieben werden. Ich glaube, dass die Konsumangebote vor allem dann eine Gefahr sind, wenn in der eigenen Familie stark ambivalent damit umgegangen wird. Und in diesem Zusammenhang möchte ich auch das Knechtsche Fernsehverbot in Frage stellen. Wir haben auch eine Tochter, die bald 5 wird, und die interessiert sich nicht die Bohne für Fernsehen. Was wohl auch daran liegen dürfte, dass sie uns praktisch nie vor dem Kastl sitzen sieht. Und was soll daran dann schon so interesant sein? OK, das muss kein Massstab sein, vielleicht haben wir nur Glück. Aber Verbote klingen halt nach Rigidität, ich kann mir nicht helfen. Und auch so Sätze wie, dass eine Fünfjährige "solche Fragen nicht stellen" sollte, sind für mich der falsche Ansatz. Sie stellt sie halt, und sie will wohl auch eine Antwort drauf. Kriegt sie die? Nein, na eben.
Und zum Schluss der Satz von VR: "Eine liebende Mutter ist die beste Expertin für ihre Kinder und weiß im Regelfall genug, um selbst klarzukommen." Das ist, mit Verlaub, Schwachsinn. Wenn es so wäre, dann gäbe es ja genau die Probleme nicht, die Fr. Knecht beschreibt, und viele andere auch nicht. Was ist denn so schwer daran, einzugestehen, dass Mütter genauso überfordert sein können mit ihren Kindern, wie andere Leute mit anderen Sachen? Ist das eine Schande? Ist es eine Schande, sich Hilfe zu holen? Z.B. auch psychotherapeutische Hilfe? Jede/r von uns hat genügend dunkle Ecken und Defizite, um auf jeden Fall von einer Therapie zu profitieren. Und je früher desto besser.
Oooh, wie dringend will ich was schreiben *lechz*. Vor allem zum Angebot des Herrn Mag. Dr. D. ein Familiencoaching zu machen... Wo fang ich an??
- Sicher ist eine Therapie eine gute Sache. Aber nicht immer, wenn wo ein Problem(chen) auftaucht, braucht man eine Therapeutin (auch in der Zusammenschau aller Falter-Kolumnen, die ich gelesen hab, kann ich nur pures Leben erkennen). Frau Knecht hat was geschrieben, was viele Eltern jeden Tag erleben. Und ich würde sagen, es ist ganz normal, was sie erleben. Kinder sind normal, Eltern sind normal, alles ok. Übergroßen, therapiebedürftigen Schmerz kann ich da jetzt nicht sehen (ich glaube, Fr. Knecht würde schmerzhafte Themen, die in eine Therapie gehören auch nicht in ihren Kolumnen der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. So viel Vertrauen hab ich mal in ihre Kompetenz sich selbst zu schützen und natürlich in ihre Kompetenz als Kolumnistin.). Und der Satz, dass eine 5jährige solche Fragen nicht stellen sollte, ist einfach - interpretiere ich - so dahin geschrieben und kein "Ansatz".
- Das Angebot des Familiencoachingmenschen find ich echt sehr *hm* interessant (abgesehen von "sehr frech"). Mein Mann meinte, dass das nur ein Mann sein kann, der mit ihrer Frauenrolle ein Problemchen hat (wahrscheinlich wollte mein Mann mit dieser Analyse bei mir einschleimen, damit ich die Katzen fütter ;) - huch, jetzt sind wir auch gleich therapiebedürftig ;) ). Wenn der Herr Mag. Dr. Familienchoach eine "Anwältin einer Bewegung für gelingende Elternschaft sucht", dann wäre er vielleicht in der Steiermark richtig. Jedes Wochenende in der Kleinen Zeitung. Zwar keine Frau, aber ein Mann kann sowas eh besser: Gottfried Hofmann-Wellenhof wäre ganz sicher ein guter "Anwalt einer Bewegung für gelingende Elternschaft". Er hat viel mehr Kinder und überhaupt schreibt er ganz brav.
- Zuguterletzt teile ich völlig ihre Meinung, dass kein Mensch lesen will, dass alles super läuft. Und es wäre eh gelogen. Denn bei wem - egal wie perfekt ersie es machen möchte - läuft alles super? Es ist immer noch das Leben. Das Leben ist nicht perfekt, sondern stellt uns vor Aufgaben und es ist mir ein großes Vergnügen jede Woche zu lesen, wie einzelne Aspekte mit einer gewissen Leichtigkeit betrachtet werden. Bitte schreiben Sie so weiter, ich stehe Mittwoch, wenn der Falter vor der Türe liegt, immer gerne auf. :)
Mit den besten Grüßen
Kathi S.
liebe doris knecht!
bitte bleiben und schreiben sie weiterhin so,wie sie sind und es bis jetzt getan haben.
ich möchte nie und nimmerlich auf ihre kolumne verzichten müssen!!!
Sehr geehrte Frau Knecht,
was halten Sie eigentlich grundsätzlich von psychotherapeutischer Hilfe? Wenn ich mir Ihre Beschreibungen so durchlese, dann denke ich mir schon, ich würde das nicht einfach so anstehen lassen. Es gibt Therapie auch für so kleine Kinder, Spieltherapie und solche Sachen, und ich denke, es wäre wohl besser, jetzt was zu tun als bis zur Pubertät zu warten. Es geht ja doch irgendwie nicht nur darum, mit dem Kind "fertig zu werden", aber wenn ein Kind solche Aggression entwickelt, dann hat das doch auch einen Grund. Womit ich nicht sagen will, dass Sie per se etwas falsch gemacht haben müssen. Aber ich fände es großartig, wenn Sie das als Chance sehen, sie ergreifen und sich einen guten Kindertherapeuten suchen. Es gibt auch Familientherapie, da ist für alle was dabei. Nur als gut gemeinter Rat (ich würde das nicht öffentlich posten, wenn ich wüsste, wie ich es Ihnen privat schicken kann, was ich aber nicht weiß.
Alles Gute. NH