11.07.07

Glück ist ein Sportwagen

Doris Knecht | 07/07 | Kurier-Kolumne

Der erste Werbespot, den der ORF am Klimatag unmittelbar nach Al Gores Klimawandelwarn-Film „Eine unbequeme Wahrheit“ sendete, zeigte, wie ein junger Mann sein Glück findet: Der Bursche radelt mit einem Klapperrad die Wiener Höhenstraße hinan, wird von eie paar Mädeln im Cabrio überholt und ob seines statusfreien Gefährts verspottet, aber, tadaaaa: Schon hilft ihm seine  Bank bei der  Erfüllung seines Traums und er kann im blauen Sportwagen den Frauen hinterher und damit dem Glück entgegen  jagen. 
Der Spot, ein  unauffälliger Bank-Spot, wird erst interessant in der   Brechung durch den Gore-Film, der einem Minuten vorher eh nett erklärt hat, dass der größere und schnellere Wagen wohl kurzfristiges privates Glücksgefühl zu generieren vermag, langfristiges aber globales Unglück zur Folge hat. Und dass nur die massenhafte Revidierung individueller Glücksparameter die Zerstörung des Planeten  abzuwenden vermag.
Also wieder einmal die Frage: Was ist Glück? Dass im entbehrungsgezeichneten Nachkriegsdenken Glück auch bedeutete, weite Strecken  nicht mehr mehr zu Fuß, per Rad oder mit dem Bus zurücklegen zu müssen, sondern bequem im eigenen Kraftfahrzeug, ist logisch: Und eine Glücksidee, die sich allmählich überholt, wie  Salzburger Erfahrungen zeigen. Dort wurden heuer so viele Fahrräder verkauft wie nie zuvor, und die Salzburger legen statt wie bisher 100.000 Mio. jährlich schon an die 140 Mio. Kilometer mit dem Rad zurück. Weil Glück heutzutage auch mit Bewegung, Fitness und frischer Luft konnoiert ist, das Auto dagegen mit Parkplatzsuchen, Stau und schlechtem Gewissen.
So gesehen ist Glück ist vielleicht ein Fahrrad.

« Meet the Gores | Main | Wie das Soufflé zusammenfällt »
kommentieren
(If you haven't left a comment here before, you may need to be approved by the site owner before your comment will appear. Until then, it won't appear on the entry. Thanks for waiting.)













« Meet the Gores | Main | Wie das Soufflé zusammenfällt »



SOS Mitmensch