Doris Knecht
| 07/07
| Kurier-Kolumne
Der erste Werbespot, den der ORF am Klimatag unmittelbar nach Al Gores Klimawandelwarn-Film „Eine unbequeme Wahrheit“ sendete, zeigte, wie ein junger Mann sein Glück findet: Der Bursche radelt mit einem Klapperrad die Wiener Höhenstraße hinan, wird von eie paar Mädeln im Cabrio überholt und ob seines statusfreien Gefährts verspottet, aber, tadaaaa: Schon hilft ihm seine Bank bei der Erfüllung seines Traums und er kann im blauen Sportwagen den Frauen hinterher und damit dem Glück entgegen jagen.
Der Spot, ein unauffälliger Bank-Spot, wird erst interessant in der Brechung durch den Gore-Film, der einem Minuten vorher eh nett erklärt hat, dass der größere und schnellere Wagen wohl kurzfristiges privates Glücksgefühl zu generieren vermag, langfristiges aber globales Unglück zur Folge hat. Und dass nur die massenhafte Revidierung individueller Glücksparameter die Zerstörung des Planeten abzuwenden vermag.
Also wieder einmal die Frage: Was ist Glück? Dass im entbehrungsgezeichneten Nachkriegsdenken Glück auch bedeutete, weite Strecken nicht mehr mehr zu Fuß, per Rad oder mit dem Bus zurücklegen zu müssen, sondern bequem im eigenen Kraftfahrzeug, ist logisch: Und eine Glücksidee, die sich allmählich überholt, wie Salzburger Erfahrungen zeigen. Dort wurden heuer so viele Fahrräder verkauft wie nie zuvor, und die Salzburger legen statt wie bisher 100.000 Mio. jährlich schon an die 140 Mio. Kilometer mit dem Rad zurück. Weil Glück heutzutage auch mit Bewegung, Fitness und frischer Luft konnoiert ist, das Auto dagegen mit Parkplatzsuchen, Stau und schlechtem Gewissen.
So gesehen ist Glück ist vielleicht ein Fahrrad.