Doris Knecht
| 07/07
| Kurier-Kolumne
Jetzt sollen 250 Familien dafür büßen, dass ein Gesetz, an dem mehrere Ministerinnen und Minister herumgedoktert haben, nicht funktioniert hat. Die Minister sind alle nicht mehr im Amt, aber die aktuelle Familienministerin, die vermutlich auch nicht ewig im Amt sein, aber dann durch die Ex-Amtswürde eher keinen finanziellen Schaden erleiden wird, will jetzt mal zeigen, dass sie übrigens nicht nur lustig ist. Sondern wenn nötig, auch mal ordentlich durchgreifen kann, total ohne Rücksicht auf ihre Beliebtheitswerte.
Boah, ist die tapfer. Und mei, ist die arm, denn die Ministerin weine, sagte die Ministerin, manchmal aus Verzweiflung ihren Ministerschreibtisch nass, und daran sieht man, dass die schon ein Herz hat, gell.
Ja, Kdolsky kann nichts für das Gesetz, das so misslungen ist, dass ein Gutachten schon vor Jahren davor warnte. Aber sie kann etwas dafür, dass es durch akkurate Exekution nun Unglück über viele Familien bringt. Ach, es werde zu keinen Härtefällen kommen, versicherte die Ministerin, für die 5000 Euro weniger vielleicht keine Härte und nur den Verzicht auf zwei, drei hübsche Kleider und ein paar Friseurbesuche bedeuten: Für die meisten Familien sind 5000 Euro weniger eine echte Härte. Und ein Unglück.
Auch wenn durch die Rückzahlung keine Kinder, wie die kinderlose Ministerin in ziemlich unangebrachtem Zynismus meinte, verhungern werden: 5000 Euro sind zwei bis vier Familienurlaube, 50 Kinderfahrräder, 200 bis 300 Paar Kinderschuhe, Kindergartengeld für fast zwei Jahre, gut 20.000 Windeln, Kindergewand für Jahre.
Damit haften Bürger, Familien, Kinder für missratene Gesetze. Die Politiker, die sie verbrochen haben, haften nicht.