08.07.07

Meet the Gores

Doris Knecht | 07/07 | Kurier-Kolumne

Ja, eh. Schadenfreude ist böse. Aber die Nachricht, dass  Al Gore III, 24, zu schnell fuhr  und wegen des Besitzes von Marihuana festgenommen wurde,  dürfte bei einigen  Menschen  ein hämisches Grinsen bewirkt haben. Nicht zu Lasten des kleinen Gore, der einfach seine Adoleszenz im Rahmen seiner Möglichkeiten ordentlich zu genießen scheint.
Und nicht wegen seines Vaters Al Gore,  neuer Own Personal Jesus der amerikanischen Öko-Bewegung, der dieses Wochenende mit Hilfe eines wenig umweltfreundlichen Weltkonzertereignisses, zum Teil gesponstert von der Autoindustrie, das Klima retten möchte.  Sondern wegen Klein Al’s Mama, der berüchtigten Tipper Gore, die Mitte der 1980er  zur Rettung der Jugend schritt, in dem sie Parental Advisory erfand, jenen Zwangsstempel auf CDs, der seither Jugendliche vor expliziten Texten und anderem Schmutz bewahren soll.
Was in der eigenen Familie offenbar nicht 100prozentig gelang, da erstens der Sohn sich nicht ungern an Shit zu delektieren scheint, während beim vom Gatten initierten Live Earth zahlreiche Künstler verbal tätig werden, deren  Werk  durch  Tipper Gores Pickerl als anstößig geadelt wurde. Madonna zum Beispiel.
Zwei Milliarden Menschen soll mit Live Earth bewusst gemacht werden, das sie nicht nur das Problem, sondern  auch dessen Lösung sind. „Die neue Ordnung des Ökodiskurses stellt jedes Individuum vor die Aufgabe, täglich das Richtige vom Falschen zu unterscheiden“, schreibt Robert Misik in der Zeit.
So gesehen scheidet Al und Tipper nicht viel: Auch Al Gore will dem Guten und Sauberen zum Sieg verhelfen. Auch wenn es beim Klimaschutz um andere Schmutzdimensionen geht  als nur um dreckige Wörter.
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