Doris Knecht
| 07/07
| Kurier-Kolumne
Vorarlberg, wo ich mich gerade aufhalte, vibriert unter der Gymnaestrada, und was soll ich sagen, es ist total nett. Natürlich bietet es sich meinereiner erst einmal an, billige Witze über diese einwöchige internationale Gymnastik-Treffen zu machen, über kanadische Hopskinder und dänische Rentnerinnen in Stretch-Gewand, die in Fussballstadien und auf Dorf-Bühnen Rhythmusgefühl und Gelenkigkeit bis an den Rand ihrer Möglichkeiten strapazieren.
Aber wenn man vor einer dieser Dorf-Bühnen steht, ist es gar nicht zum Witzeln: Es ist erstaunlich; es ist beeindruckend, es macht Freude, Menschen dabei zuzusehen, wie sie gemeinsam etwas herzeigen, das sie lange zusammen geübt haben. Da applaudiert man richtig gern. Es macht allen Freude, denen oben und denen unten, und Dauerregen hin oder her: Vor der Bühne ist es immer voll.
Etwa 22.000 Teilnehmende aus 56 Ländern übernachten derzeit in vorarlberger Schulzimmern auf Luftmatratzen, um tagsüber zu zeigen, was sie daheim monatelang trainiert haben. Das Netteste an der Veranstaltung: Sie ist wettbewerbsfrei. Und sie funktioniert wahrscheinlich gerade deshalb so gut, weil sie ganz ohne Wettbewerbe auskommt: Es geht bei der Gymnaestrada nicht darum, wer die Schnellste, der Beste, die Biegsamste, der Perfekteste ist, es geht nicht um Millimeter und Hundertstelsekunden, es herrscht kein Leistungsdruck. Niemand verliert, alle miteinander gewinnen.
Das führt zu entspannten Gesichtsmuskulaturen bei den Beteiligten, zu guter Stimmung im Publikum und zu schwer beeindruckten Kindern, die auf Bierbänken stehen und staunen und sowas auch können wollen. Gut so. Heute gehen wir wieder hin.