12.07.07

Wer mitreden sollte

Doris Knecht | 07/07 | Kurier-Kolumne

Wissenschaftsminister Hahn hat zur Umsetzung einer guten Idee - dem verpflichtenden Vorschuljahr - eine weitere: Eltern, die ihren Kindern die Vorschule vorenthalten, soll die Familienbeihilfe gestrichen werden. Von diesem  Vorschlag kann man zweierlei halten: Man kann ihn effizient nennen, weil finanzieller Druck meistens effektiver Druck ist; oder man kann es beängstigend finden, dass ein Minister, der gerade einmal ein paar Monate im Amt ist,  eine allen Familien zustehende Unterstützung zum Mittel der Erpressung machen darf.
Die Maßnahme soll vor allem Familien mit Migrationshintergrund treffen, und ja: Es ist absolut notwenig, dass Erwachsene und Kinder, die in Österreich leben wollen, auch unsere Sprache beherrschen.
Unter anderem deshalb, weil sie sonst nicht mitreden können. Und das ist es,  was die Integrationsdebatte zusehends unerträglich macht: Dass sie nur von „echten“ Österreichern geführt wird, von denen sich viele permanent dazu gezwungen sehen, ihre  Mitbürger mit Migrationshintergrund in Schutz zu nehmen und besonders gnadenlose Zwangsintegrationsmaßnahmen  zu beanstanden. 
Dabei müssten  Einwände und Gegenvorschläge von anderen kommen: Von migrationshintergründigen Ministerinnen, Parlamentariern, Journalistinnen, Lehrern, Kindergartenpädagogen und Elternvertreterinnen. Wo sind die? Wieso haben  wir in Österreich keine politische, kulturelle und intellektuelle Elite mit Migrationshintergrund? Wo bleibt der Ehrgeiz, in Institutionen mitzuwirken, die es ermöglichen, das Leben in diesem Land mitzugestalten? Und auch wirklich den Mund aufzumachen? Und etwa zu sagen: Das ist eine Sauerei. Oder  auch mal: Gut so. Das fehlt dem Land.
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