Doris Knecht
| 07/07
| Kurier-Kolumne
| LiLäLa (Liste lässlicher Laster)
Was sind das für Leute, die an einem Sommersonnntagmorgen um halb sieben ihren Sack voll Altglas im Container entsorgen, schön Flasche auf Flasche? Da möchte man, wäre man nicht so müde, ans Fenster treten und rufen: Was sind Sie denn für einer?! Was haben Sie denn für ein Problem?! Was für eine Sorte Hass tragen Sie denn mit sich rum?!
Aber man bleibt, weil man zu müde ist und die anderen Nachbarn nicht noch schlimmer quälen will, im Bett liegen und brüllt nicht hinunter, sondern wartet das Ende des Flaschengeklirrs ab: Aber eine hat er noch, und noch eine, und eine noch, und als endlich wieder ein einem Sonntagmorgen angemessener Friede herrscht, bin ich so unwiderruflich wochentagsmunter, dass ich aufstehe, mein Notizhefterl hole und mir aufschreibe: LiLäLa – Entsorgen von Altglas am Sonntag vor acht Uhr früh. Nein: neun! Noch besser zehn.
Apropos Liste Lässlicher Laster: Meine Freundin S., die in Hamburg lebt, macht mich auf die männliche Unart aufmerksam, öffentlich das Gemächt in der Hose ummadum zu rücken. Stimmt, aber mit diesem Phänomen hat sich erst kürzlich die geschätzte Kollegin Kuhn in ihrer Freizeit-Kolumne erschöpfend beschäftigt.
Was ich aber wohl in die LiLäLa aufnehmen möchte, ist eine damit eng verwandte und buchstäblich weiterreichendere Unart: Die Angewohnheit vieler Männer, das WC noch mit der Hand am Hosentürlverschluss zu verlassen, was wahrscheinlich irgend einen archaischen Alphadingshintergrund hat, vor allem aber wie mit dem Megaphon die Botschaft in den Raum brüllt: Der! Hat! Sich! Die! Hände! Nicht! Gewaschen! Und das geht ja gar nicht.