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| 08/07
| Kurier-Kolumne
Der Leser Franz B. musste wieder einmal auf die Post und hat sich gleich wieder so aufgeregt. Er wollte, sagt Herr B., eine normale, leere Postkarte mit aufgedruckter Marke kaufen, aber was? Postkarten gibt’s nur noch im Zehnerpack. Das nenn’ ich Kundenservice, sagt Franz B., dass man eine Sache will und zehn kaufen muss. Erfahrungsgemäß, sagt Franz B., brauche ich in frühestens zwei Jahren wieder eine Postkarte, was heißt, dass ich auf der zehnten in voraussichtlich 18 Jahren vor lauter Nachfrankieren keinen Platz mehr für die Adresse finde. Falls man in 18 Jahren Postkarten überhaupt noch kennt. Oder die Post, weil bei den Zuständen würde es ihn, sagt Franz B., kein bisschen wundern, wenn nicht.
Vor ihm sei übrigens ein junger Herr drangewesen, sagt Franz B., der kam gerade aus dem Urlaub zurück und hatte in seinem Postfach eine Nachricht über einen eingeschriebenen Brief vorgefunden. Den wollte er nun abholen. Aber der Brief war bereits wieder zurückgeschickt worden, weil solche Briefe jetzt nur noch sieben Tage hinterlegt werden und nicht mehr einen Monat, wie das seit immer üblich war, und wie es, sagt Franz B., auch für immer üblich sein sollte, es sei denn, die erlaubte Urlaubsdauer werde allgemein auf eine Woche beschränkt. Was hoffentlich nicht der Fall sein werde.
Kürzlich sei er auch einmal nicht daheim gewesen, als ihm einer der neuen Zustelldienste ein Paket habe bringen wollen. Daraufhin habe, sagt Franz B., sein Telefon geklingelt, und ein Herr habe mit ihm einen neuen, kommoden Zustelltermin vereinbart und diesen dann auch eingehalten. Können Sie sich so ein Service von der Post vorstellen?, fragt Herr B. Ganz ehrlich? Nein.
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| 08/07
| Kurier-Kolumne
Schon das Wort ist unerträglich. Maskottchen. (Sagen Sie das ein paar Mal hintereinander: Maskottchen, Maskottchen, Maskottchen, Maskottchen. Das ist kein Wort, das ist Zungengymnastik, aus dem Französischen eingeschleppt, auch wenn es klingt, als hätte es Hitler erfunden. Es sollte auf eine Liste Verbotener Wörter, seine Gebrauch sollte zumindest milde bestraft werden. Eine Finde-und-Zerstöre-Kommission sollte es entsorgen, ein hübsches Ersatzwort erfinden und der deutschsprachigen Bevölkerung in einer feierlichen Zeremonie überge.... ja, gut, ich hör schon auf.)
Und dann die Euro-08-Maskottchen selbst: Schon beim ersten Anblick ist man über ihre unfassbare Hässlichkeit spontan schockiert. Kleine Kinder fürchten sich vor den rot vermummten Monsterzwergen (gilt bei uns nicht eigentlich ein Vermummungsverbot? Nein?) mit dem merkwürdigen Riss überm linken Auge (scheint von einer Schlägerei zu stammen). Dass sie schreckliche Namen tragen – Trix und Flix – wundert schon gar nicht mehr.
Das Problem ist: Man sieht sie nicht nur einmal. Man sieht sie jetzt langsam immer und überall. Sie zeigen ihr fieses Grinsen auf Einkaufssackerln und Schildkappen, Onkel Alfred trägt sie plüschformatig ins Kinderzimmer, sie springen einen aus Fast-Food-Restaurants an und erschrecken einen auf Heckscheiben, Schultaschen, Schokocremegläsern, Limoflaschen und in Post-Filialen.
Sie sind da. Sie sind überall. Und sie sind einer der Gründe, warum man sich wünscht, die Euro wäre bereits vorbei, auch wenn Trix und Flix einen noch Jahre aus Ramschkisten heraus erschrecken werden: Uaaa!!!! Himmel.

Never get lost in Vienna
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| 08/07
| Kurier-Kolumne
Das Schlimme ist nicht die Scheidung. Oder dass die katholische ÖVP-Familienministerin eine Beziehung mit einem verheirateten Mann hat, sich abergläubisch eine Kette aus „Schutzsteinen“ umlegt, die sie vor Unfairness beschützen soll oder ihre Lebensweisheiten von semischwulen deutschen Gothic-Bands bezieht.
Richtig schlimm ist, was Andrea Kdolsky im „Frühstück bei mir“ auf die Frage nach den Vorzügen des Alleinlebens antwortete: Dass sie jetzt „stundenlang in der Badewanne liegen könne“. Und die Vorstellung, wie sich die Ministerin in all ihrer Fülle nackt in der Wanne aalt, kriege ich jetzt, Kdolksy sei Dank, nicht mehr aus dem Schädel.
Nach dem Kdolsky-Geständnis kritisierte SPÖ-Geschäftsführer Josef Kalina umgehend die „Verlugnerisierung der Politik“, und zwar zu Recht, auch wenn ich es erstens „Verlugnerung“ nennen würde.
Zweitens möchte ich aber schon daran erinnern, wer damit angefangen hat. Denn es war nicht zuletzt der damalige Klima-Sprecher Kalina, der gemeinsam mit den einstigen spin doctors Andreas Rudas und Heinz Lederer das Prinzip der Politik-Privatisierung in Österreich erst populär gemacht hat, indem sie den damaligen Kanzler Viktor Klima mit massig Privat-Storys vermarkteten. Noch heute erinnere ich mich an Gattin Sonjas Volksschulklasse, an Bilder vom gemeinsamen Schwechater Heim und vom burgenländischen Bauernhof, an Geschichten über Pferdeliebe und Kinderwunsch und vor allem an Grolli, den süßen Wuschel-Hund.
Der, genau wie die Ära Klima, ein trauriges Ende nahm: Die Neigung von Politikern, private Intimitäten herzuzeigen, ist uns dagegen gesinnungsübergreifend erhalten geblieben. Das ist das Schlimmste.
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| 08/07
| Falter-Kolumne
Nachdem jetzt auch noch einer behauptet hat, die Oberösterreicher hättens erfunden (haha! Ausgerechnet die Oberösterreicher! Als hätten die Oberösterreicher je!), beende ich die Provenienz-Diskussion um den (na gut: das Biertrinken vielleicht. Und den Schweinsbraten.) Ausdruck „Die gelbe Sau“ mit dem Debatten-Beitrag der klugen (und das Stöcklkraut. Das Stöcklkraut ist okay.) Frau M., die mir ein Mail mit einem Zitat schickt: „The sun´s not yellow it´s chicken“. Ja, danke. Die Hühnersau, nämlich. Und erfunden hats, wie alle guten Sachen, Bob Dylan.
Und weil der Himmel heute so chicken ist, muss ich das SMS der Finks abschlägig beantworten: Nein, wir können leider nicht im Kent frühstücken, wir müssen baden gehen, ich habs versprochen. Dabei wäre ich mit baden dann langsam durch, das Baden reicht mir, beziehungsweise das Herumsitzen am Rand von Nichtschwimmerbecken, in denen die Mimis gerade so
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| 08/07
| Falter-Kolumne
Ich konstatiere über die Jahre eine inflationäre und missbräuchliche Verwendung des Begriffs „frustierte Hausfrau“ in Leserkritiken, inbesondere in solchen, die mir mindergesonnen sind. Das macht eine Begriffsabklärung notwendig. Denn wenn Sie mich professionell beleidigen wollen, werte Verbalinjuriker, muss ich Sie bitten, alternative Insultationsformulierungen zu bemühen, denn mit „frustrierte Hausfrau“ zielen sie einen Kilometer an meiner Pappn vorbei. Als „frustrierte Hausfrau“, gehen wir das kurz durch, bezeichnen wir für gewöhnlich eine Vollzeit-Hausfrau, die überm unbezahlten und unterbedanktem Bügeln, Kochen, Putzen, Aufräumen, Einkaufen und Kinderbetreuen auf Dauer eine eklatante Selbstverwirklungsunterversorgung erleidet und darüber verbittert. Und das trifft ja nun auf mich gar nicht zu; die Verwerfungen in meinem und dem Alltag meiner Freundinnen und, falls vorhanden, assoziierter
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| 08/07
| Falter-Kolumne
Jetzt hab ich mir bei ebay einen Küchenlampenschirm aus denn 30er Jahren um einen Euro ersteigert, 1 Euro!, womit ich schlagartig zum Mitglied der ekelhaftesten Sekte der Welt wurde, der Schnäppchenjäger. Weah. Aber ich muss, weil bald eine Inspektion von Spießer-Experte Schnitzler droht, eine paar der schlimmsten Leiner- und XXX-Lutz-Teile durch altes Zeug ersetzen, das so ausschaut, als hätte ich es von Oma selig geerbt, von der ich in Wirklichkeit als einzige Erinnerung eine elektrische Zitruspresse von Philipps, ca. 1982, besitze. Oder als hätte ich es mit unbestechlichem Geschmack spottbillig bei einem kleinen Tandler ums Eck und in New York und Odessa gekauft, wie zum Beispiel dieser
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| 08/07
| Falter-Kolumne
Die Kinder sind ein paar Tage nicht da, Oma hat sie mitgenommen, und das hab ich weniger gern, als man mir zumuten würde. Ich hab es gar nicht gern. Ich hab die Kinder lieber um mich und in meiner Nähe, gut, wenn möglich: spielend, Bücher studierend, CDs hörend, zeichnend, malend, bastelnd, schlafend, ich bin eine Saumutter, die momentan am liebsten immer nur beim Richard Ford weiterlesen möchte. Aber kaum sind die Kinder nicht da, kann ich beim Richard Ford nicht weiterlesen, weil ich immer an die Kinder denke, und dass es mir lieber wäre, wenn sie da wären, in meiner Nähe, um mich herum, Matchbox-Autos neben dem Sofa herumschieben würden, süsses, gedämpftes Kindergeschnurre von sich gäben, behutsam Kuscheltiere über die Dielen hopsen ließen, ihnen Namen gäben wie Millililli Fitzikuhli und Hans Schneider, Häuser aus Vliesdecken und Stühlen bauten und
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| 08/07
| Kurier-Kolumne
Es ist ein Charakteristikum großer Städte, dass es in ihnen Orte gibt, an denen es knirscht: Orte mit inhomogenen Interessenslagen und Konfliktpotential, Orte mit dunklen Ecken, in die man besser nicht tappt. In Wien ist der Gürtel so ein Ort: Sechsspurig brüllt der Verkehr unter der U-Bahn, während Menschen dort wohnen und arbeiten. Prostituierte bedienen Freier, undurchsichtige Geschäfte werden gemacht. Die alten Stadtbahnbögen trennen das innere vom äußeren Wien. Eigentlich eine der schwierigen Gegenden, die man nachts eher meidet.
Dass schwierige Orte mit gezielter stadtplanerischer Intervention zu spannenden, anziehenden, durchmischten Orten werden können, zeigt das Beispiel Gürtel zwischen Urban-Loritz-Platz und Nußdorfer Straße: Seit die Stadt Wien dort in den Neunzigern mit EU-Fördermitteln das Projekt „Gürtel Plus“ startete, leuchtet er abends nicht mehr nur mehr rot: Dutzende Läden und Lokale haben die Stadtbahnbögen transparent gemacht, sommers sitzen junge Menschen rudelweise in Schanigärten direkt am Verkehrslärm.
Den wird man heute Abend eh nicht hören: Es ist wieder Gürtel-Nightwalk. Und es ist Jubiläum: Zum zehnten Mal zieht der jährliche Nachtspaziergang Tausende mit Konzerten auf fünf Open-Air-Bühnen und einem Dutzend Lokalen an den Gürtel. Dort, wo der Gürtel von einer Grenze immer mehr zu einer Verbindung wird: Einem eigenen Grätzl, das Neubau und Ottakring, die biedere Josefstadt und Little Istanbalkan immer weniger trennt, immer mehr verknüpft – und ein wenig durcheinandermengt. So werden knirschende Orte zu besseren Gegenden.
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| 08/07
| Kurier-Kolumne
Wer eben vom Urlaub in den Bergen zurückkam, wo auf fetten Almen glückliche Kühe grasen, ist für die Meldung, dass „Heidi“ wieder ins Kino kommt, natürlich besonders empfänglich. Uiii! „Heidi“! Und zwar der mittlerweile uralte japanische Trickfilm von 1974, dessen Bilder noch immer jdes Kind kennt: Durch die 52 Folgen der Serie, die nach wie vor immer wieder im Fernsehen gezeigt wird
„Heidi“, der Spielfilm in schwarz-weiß und Schweizerdeutsch aus dem Jahr 1952, war der erste Film den ich als Kind je in einem richtigen Lichtspielhaus sah. Vielleicht, weil der Spielfilm trotz des bekannten Happy-Ends so eine schwere Traurigkeit verbreitet, waren mir schon als Kind das Buch von Johanna Spyri und die japanische TV-Version lieber: Die bunte Springlebendigkeit des Anime-Klassikers ist Kinderseelen einfach zuträglicher.
Auch deshalb freut Heidis Rückkehr ins Kino, und weil „Heidi“ mit minimalem Personal an gerade mal drei Schauplätzen eine große Geschichte samt hehrer Botschaft erzählt: dass Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Naturverbundheit, Zusammenhalt und ein Vertrauen in die Natur, Freunde und die eigenen Fähigkeiten am Ende das Glück bringen.
Die selbe Botschaft, die auch in den besseren US- Kinderfilmen wie „Cars“, „Monster-AG“ oder „Madagaskar“ transportiert wird: mit dem Unterschied dass die, „Heidi“ ist schließlich eine Schweizer Geschichte, auch noch ziemlich witzig sind. Humor können Schweizer halt nicht so; dafür braucht „Heidi“ kein Riesenbummbumm und keine Verfolgungsjagden: „Heidi“ ist so lieb und langsam, wie eine glückliche Kuh, die auf einer grünen Alm grast. Wie Urlaub fast.
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| 08/07
| Kurier-Kolumne
Wie letzte Woche der Chauffeur von Placido Domingo mit Placido Domingo in der Limousine in die Salzburger Fußgängerzone gefahren ist und von einem Polizisten angehalten wurde, und der Polizist nach der Ausnahmebewilligung gefragt hat und der Chauffeur sagte, die sitzt im Fond, und der Polizist sagte, das interessiert ihn nicht: Das fand ich gut.
Das wäre meiner Ansicht nach auch der Punkt, wo sich der durchschnittliche Prominente verlegenheitsbedingt gesichtsververfärben sollte und unter Entschuldigungen die Anzeige entgegennähme.
Was offenbar nicht geschah, wenngleich es zu Antlitzrötungen gekommen sein dürfe: Nur ist vom weiteren Konversationsverlauf zwischen Polizist und Limousineninnerem leider nichts bekannt.
Bekannt ist allerdings, und das finde ich nun doch einigermaßen verhaltensoriginell, dass Domingo, also dessen Sekretär, gleich anschließend einen Beschwerdebrief an die Salzburger Landeshauptfrau geschrieben hat, Zumutung und alles, und der Verkehrsstadtradt von Salzburg sah sich veranlasst, sich zur Causa zu äußern. Und er äußerte nicht, wie das zu erwarten wäre, dass der Polizist hundertprozentig richtig gehandelt hat, sondern er bat um Verständnis. Um Verständnis praktisch dafür, dass in Salzburg die StVO leider auch für Star-Vokalisten gilt (und ich bin sicher, dass schon verschiedentlich versucht wurde, das zu ändern). Und da fragt man sich schon.
Am Fall von Natascha Kampusch sieht man, wie ungemein schwierig es für einen Menschen ist, mit Prominenz fertig zu werden. Placido Domingo aber zeigt uns, wie ungemein fertig Prominenz einen Menschen machen kann.
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| 08/07
| Kurier-Kolumne
Zu den schwierigsten Disziplinen, mit denen der moderne Mensch konfrontiert ist, gehört offenbar Essen und Trinken. Das Talent, vernünftig und in Maßen zu essen und zu trinken, ist dem Menschen irgendwo zwischen der Mangelwirtschaft der Weltkriege und dem Überfluss des Konsumkapitalismus verloren gegangen, und jetzt findet er es nicht mehr. Im Wettrennen der schlimmsten sozialen Flüche hat die Adipositas in letzter Zeit die Anorexie locker überholt; aber das Komatrinken ist ihr dicht auf den Fersen.
In England soll jetzt die Happy Hour abgeschafft werden, um den Hang zur, wie mans durchaus nennen könnte, british happiness (Vollrausch, Alkoholvergiftung, Koma) etwas zu bremsen, der vermutlich noch aus der Zeit stammt, als in britischen Pubs vor Mitternacht Sperrstund’ war. Frei nach Rilke: Wer jetzt keinen Rausch hat, baut sich keinen mehr. Das ist dem britischen Glücksucher wohl in die Genetik gewachsen, und die Happy Hour, in der es alkoholische Getränke spätnachmittags ums halbe Geld gibt, ist zur Bekämpfung einer allfälligen Nüchternheitsparanoia natürlich ein überaus probates Mittel. Deren Abschaffung könnte man, da die british happiness auch bei uns immer mehr Anhänger findet, auch für Österreich überlegen: Auch hier regiert die Maßlosigkeit.
Maßlos auch, was die Lebensmittelindustrie an vermeintlich krankheitsvertreibender Chemie in die Nahrung packt: So viel, dass sich deutsche Wissenschaftler jetzt bemüßigt sahen, vor dem sogenannten functional food zu warnen. Dabei könnte der Mensch eigentlich auch so wissen, dass zu viel Chemie im Essen schlecht ist. Aber auch diese Fähigkeit kam ihm irgendwo abhanden.
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| 08/07
| Kurier-Kolumne
Ah, es muss Sommer sein. Der Vater-Monat steht wieder einmal auf der politischen Themenliste, von denen die gerade damit dran sind – diesmal: Sozialminister Buchinger – jeweils lieb „Papa-Monat“ genannt.
Die Idee: Vater-Frischlinge dazu zu ermutigen, nach der Geburt ihres Kindes einen Monat (Buchinger kann sich auch zwei vorstellen) zuhause zu bleiben, für eine Entschädigung etwa in der Höhe des Kindergeldes, künftig wohl um die 800 Euro. Der Papa-Monat soll Väter dazu reizen, vermehrt statt ihren Frauen in Karenz zu gehen: derzeit nehmen nur ungefähr drei Prozent der Männer ihr Recht auf Elternzeit in Anspruch.
Und genau da knirscht die Papa-Monat-Idee: Denn wenn man ein paar Wochen lang erlebt hat, wie unglaublich anstrengend es ist, sich den ganzen Tag um ein Baby– plus seinen größeren Geschwister – zu kümmern, geht man meistens gern wieder acht Stunden täglich ins Büro, ins Amt, hinter den Schalter, in die Agentur, in die Fabrik. Wenn man Männer dazu bringen möchte, für ein Taschengeld, wenig Dank und Null Ansehen 14 bis 20 Stunden täglich zu arbeiten, sollte man sie lieber ins kalte Wasser schmeißen.
Tatsächlich existiert, das zeigen internationale Beispiele, nur eine Möglichkeit, Väter massenhaft in die Karenz zu treiben: Indem man denen, die sich zuhause um die Kinder kümmern, einen Großteil ihres Gehaltes weiter zahlt. Auch in Deutschland wird das Elterngeld seit Anfang des Jahres so gehandhabt: Der Elternteil, der zuhause die Kinder versorgt, hat ein Jahr lang Anspruch auf 67 Prozent seines Nettolohns, mindestens 300, höchstens 1800 Euro. Das bringts; der Papa-Monat eher nicht.
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| 08/07
| Kurier-Kolumne
Kommt natürlich stark darauf an, auf welcher Seite man steht. Oder fährt. Oder lebt. Wenn man an der Autobahn wohnt, ist es einem vermutlich denkbar gleichgültig, wie die Wand, die einen von ihr lärmschützt aussieht: Wenn man Glück hat, pflanzt der Bürgermeister tüchtig Bäume davor und in ein paar Jahren kann man sich mit viel gutem Willen und den Fäusten auf den Ohren einbilden, da drüben beginne der Wald.
Wenn man jenseits der Wand die Autobahn benutzt, könnte man allerdings, zum Beispiel auf der Donauuferautobahn zwischen Wien und Korneuburg, vor lauter Ödnis graue Haare kriegen, Wimmerl, Gehirnwindungslähmung: Kilometer um Kilometer begleitet eine diese haushohe, gestreifte, wenn ich mich recht entsinne: erwinpröllfarbene Plastikmauer, deren einschläfernde Gleichförmigkeit nur durch ihre brüllende Scheußlichkeit kompensiert wird. Das natürlich ist den Menschen jenseits des Zauns, drüben in Spillern und Korneuburg solange ich nicht in ihre praktische Lärmschutzwand krache, herzlich egal, wofür ich volles Verständnis habe. Drüben: Hauptsache Ruhe. Hüben aber: Grauen.
Hier im Speziellen will man Wilhelm Holzbauer Recht geben, der unlängst die Lärmschutzwände im Allgemeinen als „einen der größten Skandale des Landes bezeichnete“, als „hässlich“ und „unfassbar“. Vor allem das künstlerische Herumgedoktore auf Volkshochschulmalkursniveau erzürnt den Architekturprofessor und er wittert „mafiöse Verbindungen“.
Wobei ich hier, denn mafös wäre teuer, geneigt bin, der Verteidigung der ASFINAG zu glauben: Das sei vor allem billig. So schauts auch aus.

Boboville - Residenz Verlag