28.08.07

Beleidigen, aber richtig

Doris Knecht | 08/07 | Beschwerden | Falter-Kolumne | Schuld und Sühne

Ich konstatiere über die Jahre eine inflationäre und missbräuchliche Verwendung des Begriffs „frustierte Hausfrau“ in Leserkritiken, inbesondere in solchen, die mir mindergesonnen sind. Das macht eine Begriffsabklärung notwendig. Denn wenn Sie mich professionell beleidigen wollen, werte Verbalinjuriker, muss ich Sie bitten, alternative Insultationsformulierungen zu bemühen, denn mit „frustrierte Hausfrau“ zielen sie einen Kilometer an meiner Pappn vorbei. Als „frustrierte Hausfrau“, gehen wir das kurz durch, bezeichnen wir für gewöhnlich eine Vollzeit-Hausfrau, die überm unbezahlten und unterbedanktem Bügeln, Kochen, Putzen, Aufräumen, Einkaufen und Kinderbetreuen auf Dauer eine eklatante Selbstverwirklungsunterversorgung erleidet und darüber verbittert. Und das trifft ja nun auf mich gar nicht zu; die Verwerfungen in meinem und dem Alltag meiner Freundinnen und, falls vorhanden, assoziierter Partner, entstehen ja vielmehr durch den tätigen Versuch, neben der Elternschaft die eigenen Interessen zu wahren und sie blablabla. Wenn Sie mich also beleidigen wollen, müssen Sie andere Kränkungen bemühen, jetzt nur zum Beispiel: Dass ich eine unterirdisch schlechte Mutter bin. Oder obwohl eine unterirdisch schlechte Mutter trotzdem auch eine mörder miese Autorin. Dinge in der Art könnten Sie mir vorwerfen, das würde mich eventuell treffen. Dr. Oliver H. etwa hat sich Mühe gegeben und rät mir in einem überaus angefressenen Leserbrief, „den längst überstrapazierten Begriff ‚Bobo’ durch ‚Gefrubevs’ (gelangweilte, frustrierte Besserverdienende)“ (damit meint er mich!) zu ersetzen. Da sag ich: Bravo, Respekt, der Mann hat sich beleidigungstechnisch wenigstens was überlegt. Gefrubev! Gemein!
   Der auch immer gern vorgebrachte Berufsjugendlichkeitsverdacht schmerzt mich dagegen kaum. Jaja, ich versuche ständig, mich mit Insignien anhaltender Juvenilität zu behängen, was zuweilen verzweifelt anmuten mag. Allerdings befindet man sich als sog. Berufsjugendlicher mit seinen würdelosen, altersunangemessenen Interessen in großer und guter Gesellschaft; an dieser Stelle möchte ich Martin Blumenau, Fritz Ostermayer, Stermann, Grissemann, die gesamte Rabenhof-Besatzung, den Horwath, das Fräulein Kaiser, Shy, The See Saw, The Beasts of Bourbon und die Rolling Stones (willkürliche Auswahl) herzlich grüßen. Außerdem werden die jungen Menschen, die den Berufsjugendlichkeitsvorwurf in ihrer großen Klappe führen, dieser Gesellschaft, auf die Biologie ist Verlass, schneller angehören, als sie ahnen; auch hier spreche ich aus eigener Erfahrung.
   Wir Berufsjugendlichen hören derzeit jedenfalls gern die neue Tocotronic und grölen „Aus meiner Festung“ lauthals mit. Die Mimis wollen lieber zu Kapitulatiohohon singen, aber das Gute an der dementen Spätadoleszenz ist, dass man trotzdem das Sagen hat. Aus meiner Festung, hab ich gesagt, basta.
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