Doris Knecht
| 08/07
| Kurier-Kolumne
Das Schlimme ist nicht die Scheidung. Oder dass die katholische ÖVP-Familienministerin eine Beziehung mit einem verheirateten Mann hat, sich abergläubisch eine Kette aus „Schutzsteinen“ umlegt, die sie vor Unfairness beschützen soll oder ihre Lebensweisheiten von semischwulen deutschen Gothic-Bands bezieht.
Richtig schlimm ist, was Andrea Kdolsky im „Frühstück bei mir“ auf die Frage nach den Vorzügen des Alleinlebens antwortete: Dass sie jetzt „stundenlang in der Badewanne liegen könne“. Und die Vorstellung, wie sich die Ministerin in all ihrer Fülle nackt in der Wanne aalt, kriege ich jetzt, Kdolksy sei Dank, nicht mehr aus dem Schädel.
Nach dem Kdolsky-Geständnis kritisierte SPÖ-Geschäftsführer Josef Kalina umgehend die „Verlugnerisierung der Politik“, und zwar zu Recht, auch wenn ich es erstens „Verlugnerung“ nennen würde.
Zweitens möchte ich aber schon daran erinnern, wer damit angefangen hat. Denn es war nicht zuletzt der damalige Klima-Sprecher Kalina, der gemeinsam mit den einstigen spin doctors Andreas Rudas und Heinz Lederer das Prinzip der Politik-Privatisierung in Österreich erst populär gemacht hat, indem sie den damaligen Kanzler Viktor Klima mit massig Privat-Storys vermarkteten. Noch heute erinnere ich mich an Gattin Sonjas Volksschulklasse, an Bilder vom gemeinsamen Schwechater Heim und vom burgenländischen Bauernhof, an Geschichten über Pferdeliebe und Kinderwunsch und vor allem an Grolli, den süßen Wuschel-Hund.
Der, genau wie die Ära Klima, ein trauriges Ende nahm: Die Neigung von Politikern, private Intimitäten herzuzeigen, ist uns dagegen gesinnungsübergreifend erhalten geblieben. Das ist das Schlimmste.