22.08.07

Prominenz-Probleme

Doris Knecht | 08/07 | Kurier-Kolumne

Wie letzte Woche der Chauffeur von Placido Domingo mit Placido Domingo in der Limousine in die Salzburger Fußgängerzone gefahren ist und von einem Polizisten angehalten wurde, und der Polizist nach der Ausnahmebewilligung gefragt hat und der Chauffeur sagte, die sitzt im Fond, und der Polizist sagte, das interessiert ihn nicht: Das fand ich gut.
Das wäre meiner Ansicht nach auch der Punkt, wo sich der durchschnittliche Prominente verlegenheitsbedingt gesichtsververfärben sollte und unter Entschuldigungen die Anzeige entgegennähme.
Was offenbar nicht geschah, wenngleich es zu Antlitzrötungen gekommen sein dürfe: Nur  ist vom weiteren Konversationsverlauf  zwischen Polizist und Limousineninnerem leider nichts bekannt.
Bekannt ist allerdings, und das finde ich nun doch einigermaßen verhaltensoriginell,  dass  Domingo, also dessen Sekretär, gleich anschließend einen Beschwerdebrief an die Salzburger Landeshauptfrau geschrieben hat, Zumutung und alles, und der Verkehrsstadtradt von Salzburg sah sich veranlasst, sich zur Causa zu äußern. Und er äußerte nicht, wie das zu erwarten wäre, dass der Polizist hundertprozentig richtig gehandelt hat,  sondern er bat um Verständnis. Um Verständnis praktisch dafür, dass in Salzburg die StVO leider auch für Star-Vokalisten gilt (und ich bin sicher, dass schon verschiedentlich versucht wurde, das zu ändern). Und da fragt man sich schon.
Am Fall von Natascha Kampusch sieht man, wie ungemein schwierig es für einen Menschen ist, mit Prominenz fertig zu werden. Placido Domingo aber zeigt uns, wie  ungemein fertig Prominenz einen Menschen machen  kann.
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