Doris Knecht
| 08/07
| Falter-Kolumne
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| Schuld und Sühne
| Unter Spießern
Nachdem jetzt auch noch einer behauptet hat, die Oberösterreicher hättens erfunden (haha! Ausgerechnet die Oberösterreicher! Als hätten die Oberösterreicher je!), beende ich die Provenienz-Diskussion um den (na gut: das Biertrinken vielleicht. Und den Schweinsbraten.) Ausdruck „Die gelbe Sau“ mit dem Debatten-Beitrag der klugen (und das Stöcklkraut. Das Stöcklkraut ist okay.) Frau M., die mir ein Mail mit einem Zitat schickt: „The sun´s not yellow it´s chicken“. Ja, danke. Die Hühnersau, nämlich. Und erfunden hats, wie alle guten Sachen, Bob Dylan.
Und weil der Himmel heute so chicken ist, muss ich das SMS der Finks abschlägig beantworten: Nein, wir können leider nicht im Kent frühstücken, wir müssen baden gehen, ich habs versprochen. Dabei wäre ich mit baden dann langsam durch, das Baden reicht mir, beziehungsweise das Herumsitzen am Rand von Nichtschwimmerbecken, in denen die Mimis gerade so
auf Zehenspitzen tippeln. Die Mimis können zwar jetzt so etwas ähnliches wie schwimmen, aber trotzdem. Sicher ist sicher. Jeden Tag ersäuft ein Kind in einem Pool, es ist nicht auszuhalten; auch deshalb könnte es wegen mir allmählich Herbst werden. Ich will jetzt wieder eine Jahreszeit, die Bekleidetheit erfordet; es gefällt mir nicht mehr, so subangezogen in der Öffentlichkeit herumzuliegen und am Rand von Nichtschwimmerbecken unfroh meine Schenkel betrachten zu müssen. Ich fühle mich herbstgestimmt, regenwetterbereit für inhäusige Tätigkeiten. Ich möchte etwas nähen, etwas schön flicken, etwas lackieren, die Wohnung ausmisten, die Bücher endlich ordnen und das Silberbesteck polieren, wobei letzteres nicht am Wetter scheitert, sondern an der Ermangelung von Silberbesteck.
Ich würde ja eh bei ebay schauen, aber der Lange sagt, kommt nicht in Frage, er nimmt sicher kein Silberbesteck in den Mund, das schon Fremde abgeschleckt haben und was weiß er was noch. Es graust ihm ja schon vor den alten Tellern und Schüsseln, die jetzt immer mit der Post kommen, könnte ich mir dann vielleicht dann wieder ein anderes Hobby suchen, Pilates oder spanisch lernen oder sowas, irgendwas, das er nicht bemerkt oder von dem er auch was hat. Ordentlich werden zu Beispiel, grinst der Lange, wobei ich finde, dass einem, dem die Jeans und Socken vom Leib und die Zeitungen aus der Hand fallen, wo die Fallsucht sie gerade erwischt, die moralische Basis fehlt, um gegenüber anderen Leuten sarkastisch zu werden. Aber das Bücherregal will ich wirklich ordnen, sobald es regnet und das Thermometer unter zehn Grad Celsius fällt, und solange habe ich Zeit, darüber nachzudenken, wie, alphabetisch oder nicht. Aber noch ist der Himmel hauptsächlich chicken und ich geh zum Sonic-Youth-Open-Air und bekomme von Kim Gordon, 54, vorgederwischt, dass Alter übrigens ein gesellschaftliches Konstrukt ist. Schön. Andererseits ist es mir auch Recht, dass ich wieder daheim bin, als der „Tatort“ anfängt.