Doris Knecht
| 09/07
| Kurier-Kolumne
Laborieren die Kärntner an einer Identitätskrise? Oder steckt etwas anderes dahinter? Denn nach dem Bauverbot für Minarette (die in in Kärnten eh niemand bauen will) möchte Landeshauptmann Haider sein Land nun tüchtig beflaggen. „Eine Kärntner Fahne gehört in jeden Haushalt“, meinte Haider zur Kleinen Zeitung, mit der gemeinsam die Kulturabteilung dieser Tage ein Art Fahnen-Diskont eröffnete: Um geschenkte 30 statt normalerweise 80 Euro können gute Kärntner die gelb-rot-weiße-Landesfahne erwerben, ihre Wohnstätten beflaggen und damit, wie Haider meinte, „den Gästen die Gefühlslage im Land augenscheinlich machen“.
Das macht ein wenig Angst, vor allem wenn Haider von einer „Renaissance des gesunden Heimatbewusstseins“ spricht, denn bis Haiders Heimatbewusstsein sich richtig gesund fühlt, muss vermutlich vorher jemand leiden.
Überdies greift die Sache durch die Euro 08 auf ganz Österreich über: Denn der Schweizer Selbstbeflaggungszwang ist international berüchtigt und wird anlässlich der Euro einen neuen Höhepunkt erfahren, soviel ist sicher. Die Frage ist, wie wir Österreicher darauf reagieren sollen: Mit den Schweizern in eine Beflaggungskonkurrenz treten? Da ziehen wir, angesichts eines nicht von Weltkriegen gebremsten eidgenössischen Nationalbewusstseins, ziemlich sicher den kürzeren.
Nun droht, angesichts des Kärntner Vorstoßes, Rot-weiß-rot auch noch gelb-rot-weiße Konkurrenz, denn Haider wird gewiss nicht davor zurückschrecken, auch Asylkärntnern eine Kärnten-Beflaggung zu empfehlen. Was die Gefühlslage der Euro-Gäste arg zu verwirren droht. Es herrscht Handlungsbedarf, keine Frage.