Doris Knecht
| 09/07
| Kurier-Kolumne
Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Warum sind wir so fröhlich?“ Diese drei Fragen stellt Falter-Chef Armin Thurnher im Editorial der Stadtzeitung Wien: die feiert gerade 30. Geburtstag.
10 Jahre davon war ich auch dabei (und schick noch immer Textl hin), habe geschrieben gelernt, Texte mit der Nagelschere gekürzt, diskutiert, spannende Menschen getroffen: von denen viele immer noch den Falter prägen und dafür sorgen, dass er in der österreichischen Medienlandschaft eine außerordentliche Erscheinung bleibt. Trotz zunehmender Professionalisierung, bei der Herstellung (es gibt im Layout keine Nagelscheren mehr), in der Verlagsarbeit und redaktionell: Der Falter ist vielleicht berechenbarer geworden, aber auch relevanter und verlässlicher.
„Ich denke, um die Beförderung der Widerrede hat sich der Falter einige Verdienste erworben“, schreibt Thurnher: stimmt. Der Falter leistet sich nicht nur unbeirrbar den Luxus einer Haltung, er zeigte auch Legionen von willigen Jungspunden im Learning-by-doing-und-Kritisiertwerden-Prinzip, wie das geht: kritischer Journalismus. Viele brachen dann in andere Medienwelten auf. Manche kamen zurück, wie etwa der großartige Florian Klenk von der Zeit. Und einig lernen jetzt woanders und kommen dann.
Richtig erwachsen ist der Falter auch nach 30 Jahren nicht, im guten und im anderen Sinn: Noch immer testet man publizistische Grenzen aus (das jährliche Best Of Böse etwa); und noch immer reißt es den Falter hin und wieder zurück in Wir-wissen-eh-wer-Recht-hat-brauchen-also-nicht-recherchieren-Zeiten. Aber immer seltener.
Also: Fröhlich bleiben. Aufrecht gehen. Immer fest die Stadt durchschnüffeln. Und jetzt tüchtig feiern.