Doris Knecht
| 09/07
| Kurier-Kolumne
Der aktuelle Sachbuch-Bestseller heißt „The Secret“, Das Geheimnis also, und nein, ich habe ihn nicht gelesen. Werde ich auch nicht, weil das Buch ein typisches Produkt jener Ratgeber-Industrie ist, von der ausschließlich eine Gruppe Auserwählter profitiert: der Autor – in diesem Fall der Autorin, Rhonda Byrne – und der Verlag . Und natürlich die modernen Priester, Coaches genannt, die den jeweils neuen Glauben an die neuen Gläubigen gegen tüchtig Honorar weiterpredigen.
„The Secret“ behauptet offenbar, dass sich der Mensch jegliches Aua einfach weg- und diverses Gutes flugs daherglauben kann, allein durch positives Denken: Glückliche Partnerschaft, beruflicher Erfolg, Traumauto‚ Idealgewicht oder, was etwa die „Süddeutsche“ als extrem fragwürdig kritisiert, die Heilung schwerer Krankheiten: alles eine Frage präzisen Wunschdenkens. Negative Gedanken werden geächtet, das mache krank und unglücklich.
Dieser schicke, neue Glaube, der sich nicht nur strikt aus dem Individuum selbst speist, sondern auch ausschließlich dessen spezifische Wohlfahrt zum Ziel hat, lasse die „klassischen Erfolgsfaktoren Talent, Fleiß und Glück zweitrangig“ erscheinen, schreibt die SZ. Alles wird gut, wenn der Mensch ganz konsequent nur sein eigenes Glück im Auge behält. Es passt perfekt in unsere „Geiz-ist-geil“-Gesellschaft, wenn auch Glaube zu einer Sache für die Ich-AG wird.
Die fast hysterische Aufregung um den bevorstehenden Besuch des Papstes zeigt, wie sehr die Menschen an etwas glauben wollen. Wie anfällig sie für quasispirituellen Müll sind, beweisen die Bestsellerlisten.