Doris Knecht
| 09/07
| Kurier-Kolumne
Ein befreundeter deutscher Kollege mailt mir. Er hat den Auftrag, einen Kommentar über die Neuen Väter zu schreiben, und weiß nun nicht recht. Das Thema sei doch abgedroschen, die Spielplatzväter längst Alltag, der sog. Kuschelvater sei ja wohl schon sehr abgenützt, womöglich längst überholt, oder nicht?
Oder nicht. Der Kollege sieht hier schlecht, er ist zu dicht dran: Er ist nämlich einer dieser neuen Väter. Er hat sich an der Erziehung seiner drei Kinder und am Haushalt selbstverständlich beteiligt, und als seine Frau wieder ihrem Beruf als Ärztin nachgehen wollte, hat er sein Büro nach Hause verlegt, um für die Kinder da zu sein, wenn sie von der Schule kamen. Hausaufgaben machen, am Spielplatz sitzen: So einer kennt dann natürlich automatisch andere neue Väter und glaubt vielleicht, sein Leben sei Durchschnitt.
Irrtum. Falls der Kuschelvater abgenutzt ist,dann gewiss nicht von der Realität, höchstens durch seine permanente und leider weitgehend fruchtlose Beschwörung. Tatsächlich ist, maile ich dem Kollegen, der Kuschel- und Kümmervaterquotient sowohl gesamtgesellschaftlich als auch auf meinem Spielplatz ausgesprochen minimal. Speziell hier: Jetzt haben sich wieder 67 Prozent der Österreicher dafür ausgesprochen, dass alles bleibt, wie es war, der Vater auf Arbeit, die Mutter daheim.
Viel mehr, maile ich dem Kollegen, müsst ihr guten Väter euch endlich zornig gegen das ständige Belächeltwerden wehren. Und einmal klar machen, dass ihr nicht das Problem seid: dass Eltern sich insgesamt viel zu wenig um ihre Kinder kümmern und sie sich selbst, Computern und TV überlassen. Sondern Teil der Lösung. Es kann gar nicht genug Kuschelväter geben, so ist es doch.