19.09.07

Legen Sie heute die Hände in den Schoß

Doris Knecht | 09/07 | Kurier-Kolumne

Astrologin A. rät: „Legen Sie heute ausnahmsweise die Hände in den Schoß. Lassen Sie andere für sich arbeiten“, und ich überlege schon die ganze Zeit, wen ich heute  zum Verfassen dieser Kolumne abkommandieren könnte. Allerdings irritiert mich, dass  Astrologin B. warnt, „die Gemüter könnten sich erhitzen“ (welche Gemüter? Chef-Gemüter gar?): „Also raus aus der Schusslinie“ (was für eine Schusslinie?! Wo genau ist die?)
Astrologin C. maximiert meine Besorgnis: Sie beruhigt mich, „eine bestimmte Situation“ sei „keineswegs so Besorgnis erregend“, wie ich annähme. (Welche Situation? Worüber sollte ich mir Sorgen machen?  Das macht mich extrem nervös.) Allerdings versichert sie mir, niemand könne mich „dazu zwingen, eine Betriebsfeier zu besuchen“. (Eine Betriebsfeier also. Zu der ich nicht eingeladen bin. Das muss  die besorgniserregende Situation, dass ich nicht auf die Betriebsfeier eingeladen bin, ja nicht einmal weiß, dass eine stattfindet.)
Astrologin D. treibt mir endgültig den Schweiß auf die Stirn, denn einerseits „versucht Sie jemand hinters Licht zu führen und zu täuschen“. Andererseits  weiß  sie, dass „Sie heute nicht so richtig auf Touren kommen“ (stimmt), und das ich mich ständig dabei ertappe, „mit den Gedanken woanders zu sein“ (als bei diesem intriganten Täuscher: stimmt auch. Ich habe schon alle Internet-Diashows zu den Emmy-Awards durchgeklickt, leider bislang ohne auch nur eines Mitglieds der „Sopranos“ ansichtig zu werden, die ja offenbar und völlig zu Recht mächtig abgeräumt haben sollen und die der ORF immer... wo war ich?) Und wer ist das, der mich hinters Licht führen will? Und wer schreibt jetzt endlich  diese Kolumne?
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