Doris Knecht
| 09/07
| Kurier-Kolumne
Russland entwickle, lautete eine beunruhigende Nachricht dieser Woche, eine Vakuum-Bombe, den Vater aller Bomben, wie die Russen selbst verlauten ließen. Das ist natürlich als Reaktion gedacht auf die „Massive Ordnance Air Blast“, welche von den USA 2003 getestet und als Mutter aller Bomben bezeichnet worden war, was massive Zweifel an der amerikanischen Idee von Mütterlichkeit weckt. Die Russen jedenfalls glauben offenbar an einen langfristigen Triumpf des Patriarchats über das Matriarchat, und ich fürchte, da haben sie vorläufig nicht unrecht.
Dennoch gibt das Internet entschieden mehr Mütter aller her als Väter aller; es kennt den Vater aller Dinge (wir auch: den Krieg), den Vater aller Winde (den Taifun) und den Vater alle Gewässer (offenbar der Mississippi). Wenngleich laut Spiegel, der Mekong die Mutter aller Wasser sei, was sich eher nicht auf die Qualität dieses Wassers beziehen dürfte.
Sonst übernehmen die Mütter – hier folgt eine persönliche Hit-Liste ohne Anspruch auf Vollständigkeit – die vielfältigsten Aufgaben, grad wie im richtigen Leben. Sie fungieren als Mutter aller Reformen (die deutsche Föderalismusreform), aller Studentenrevolten (das „Free Speech Movement“ von 1964), aller Pressekonferenzen (eine des FC Bayern), aller deutschen Handyflatrates, aller Jugenden (die Turbojugend, wer’s kennt) und aller Minutenpakete. Was auffällt: Der Rest der Verwandtschaft kommt entschieden zu kurz.
Ich merke hier also an, dass die Tante aller Finanzaffären bei mir eine Stiefschwester aller Reaktionen bewirkt: den Verzicht auf den Erwerb von Meinl-Produkten jeder Art. In mir nagt nämlich der Cousin 2. Grades allen Zorns.