04.09.07

Spenden vs. mitmachen

Doris Knecht | 09/07 | Kurier-Kolumne

Nicht nur der Schulbeginn weckt  Erinnerungen an früher und wirft mich vorrübergehend  ins Zeitloch: Mei, wie war das damals! Eine neue Aussendung von Greenpeace bewirkt Ähnliches. ERST WENN... heißt es auf der ersten Seite der Falt-Broschüre, und, tadaaa!, ich weiß blind, wie es weitergeht: ...der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann. Und, nochmal Fanfaren, denn das stimmt, bis auf dem Umstand, dass  irgendwo  am Weg das „ist“ verloren ging.
Sonst ist alles, wie es immer war: Der alarmistische Ton des Spendenaufrufs („Unsere Erde ist in höchster Gefahr!“), der Hinweis, die Erde sei nur geliehen, das (Plastik-)Pickerl  für die 2CV-Heckscheibe, Sie wissen schon, das mit dem rot-gelb-grünen Indianer-Schwimmreifen drauf. Alles wie einst, nur dass es keine 2CVs mehr gibt.
Greenpeace gibt es noch, gut. Aber wäre es nicht vielleicht irgendwann an der Zeit, die Slogans, den Ton, die Inhalte dem modernen Umweltbewusstsein anzupassen? Die Öko-Türen stehen ja momentan weit offen: Jeder hängt sich jetzt gern das Klimaschutz-Jankerl um, ökosoziales Handeln und Bekennen ist, siehe Live Earth, so schick wie nie, das Bewusstsein, was gut oder schlecht für die Zukunft der Erde ist, war selten so ausgeprägt.
Wen also will Greenpeace  wofür genau interessieren?  Im Prinzip vermutlich: Nur fürs Spenden, damit der Greenpeace-Aktionismus weiterhin  finanziert werden kann. Der in Zeiten des allgemeinen Mitmach-Umweltschutzes auf Konsum- (oder eben Nicht-Konsum)-Basis merkwürdig überholt wirkt.
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