11.10.07

Bringt mir den Kopf von Klaus S.

Doris Knecht | 10/07 | Falter-Kolumne | Kunst & Kultur | Schuld und Sühne

Ziemlich unglückliches Timing für diese Kolumne. Drei Wochen trag ich die Geschichte schon im Notizbuch herum, und jetzt, wo sie mir wieder unterkommt, ist der Zeitpunkt weniger als semioptimal. Denn was ich jetzt nicht wissen kann – ob Thomas Glavinic am Montag Abend den Deutschen Buchpreis erhalten haben wird (was ich nicht glaube; ich denke, die Juroren wollten ihn nur necken) – wissen Sie jetzt schon; zumindest könnten Sie es wissen, Ignorant, Sie. So oder so ist Glavinic augenblicklich der heimische Schriftsteller-Shooting-Star, der eine, der jetzt ein Zeitfenster lang alles darf, zu allem eine Meinung haben soll und sich nichts gefallen zu lassen braucht, der eine, den jetzt alle schon immer volle super gefunden haben wollen, echt immer schon. Und das ist ok, denn sein neues Buch ist gut, wenngleich es mich mit dem vorherigen trotzdem nicht zu versöhnen vermag.
  Als ich Glavinic kürzlich backstage im Rabenhof kennenlerne, ist er gerade sehr ungut zu sprechen auf den Herausgeber des „Datum“. Der „Datum“-Herausgeber hat ihm offenbar eben, drei Tage bevor Glavinic vor einem riesigen „Datum“-Transparent im Rabenhof sein neues Buch präsentieren sollte, völlig uneingeladen mitgeteilt, dass er Glavinic´s neues Buch beschissen finde. Glavinic sei gerade mit Freunden zusammen gestanden, da sei der „Datum“-Herausgeber an ihn herangetreten und mit der Mitteilung herausgeplatzt, er finde das Glavinic-Buch beschissen. Das führte zu einer nicht geringen Verstimmung Glavinicseits und zu der verständlichen Weigerung, sein neues Buch, das übrigens auf der Buchpreis-Shortlist steht, wie vorgesehen vor einem „Datum“-Transparent zu präsentieren, wie Glavinic gegenüber dem Rabenhof-Direktor und dem Rabenhof-Dramaturgen relativ deutlich klarmacht
  Der Rabenhof-Direktor wird also hinaus ins Foyer geschickt, wo zufällig der „Datum“-Herausgeber sitzt, um die Sache zu klären, also dem „Datum“-Herausgeber den Kopf abzureißen und diesen mit jener Entschuldigung im Maul an Glavinic zu übergeben, die Glavinic für dieses offensive Deppertsein verlangt. Überdies spricht Glavinic, wenn ich mich recht erinnere, die Worte „auf den Knien“ und „rund um den Rabenhof“. Sonst kein „Datum“-Transparent. Der Rabenhof-Direktor geht hinaus und kommt nach einiger Zeit ohne Entschuldigung, aber mit einer Richtigstellung zurück, denn der „Datum“-Herausgeber, lässt der „Datum“-Herausgeber ausrichten, habe keineswegs gesagt, er habe Glavinic´ Buch beschissen gefunden, sondern er habe das Buch ab der Hälfte beschissen gefunden, und drei Tage später präsentierte Glavinic, soviel ich weiß, „Das bin doch ich“ sehr ausverkauft, aber ohne „Datum“-Transparent. Das Buch ist übrigens ziemlich super, auch wenn es für den Deutschen Buchpreis nicht gereicht haben wird.
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