Doris Knecht
| 10/07
| Kurier-Kolumne
Feine Nebenwirkung des Kinderschwerpunkts im ORF: Endlich darf man ungebremst tun, was Eltern (neben ausschlafen, nicht am Spielplatz sitzen und von prima Schulerfolgen informiert zu werden) fast am liebsten tun: hemmunglos über die Kinder reden. Kollegin R.sagt mir zwar, sie möchte lieber mehr über die Oma lesen, und den Gefallen tue ich ihr gern. Aber jetzt reden wir noch einmal über die Kinder, beziehungsweise über die, die für sie verantwortlich sind.
Nachdem ich kürzlich über die Frage räsonierte, wer das Kinderwagerl schiebt, schrieb mir die junge Mutter Martina H. ein Mail, in dem sie darüber wunderte, „was andere Leute so wundert“.
Denn sie, schreibt Martina H., sei mit einem Exemplar der Spezies Mann „gesegnet“, der seine Pflichten als Vater ganz selbstverständlich erfülle. Er sei zum Beispiel in der Lage, mit der drei Monate alten Tochter allein zum Kinderarzt zu gehen, was sowohl die mitwartenden Mütter als auch die Sprechstundenhilfe kaum glauben hatten wollen: „Sie sind ganz allein mit dem Baby hier?“ Ja, war er. „Und auch wenns viele nicht glauben wollen“, schreibt Martina H., „er ist ein ganzer Mann“, und sie wünsche „euch Mädels da draußen nur, dass Eure Männer endlich aufwachen.“
Das gefällt mir. Und wenngleich es sich mit eigener Erfahrung durchaus deckt, fürchte ich, dass die meisten Väter von selbst nicht aufwachen. Die muss man wecken. Die gehen dorthin, wohin man sie schiebt. Und so ein Mann ist oft weit weniger wendig als ein modernes Kinderwagerl – es kann also aufreibend werden. Aber: muss sein. Und am Ende lohnt es sich.